Maximal fünf persönliche Stärken…

… darf der Mensch auf Arbeitssuche haben. Alles weitere scheint nicht von der Bürokratie gewünscht, gewollt oder überhaupt für möglich gehalten.

Agentur für Arbeit, Formular zur Vorbereitung eines Vermittlungsgespräches, Seite 5

Man ist doch bei dieser Art von Formular versucht, die Maximalzahl pro Block zu nehmen — aber ob der Vermittler bei der Agentur für Arbeit hinterher Humor hat? Eine Abwägung zwischen derart aufgelisteten Soft Skills  verkommt zur reinen Schikane, versucht man tatsächlich einmal, sich zu entscheiden und stellt dabei fest, dass man für den letzten Listenpunkt „Zuverlässigkeit“ nun wirklich kein Kreuzchen mehr übrig hat.

Bin ich nun in den Augen des Vermittlers unzuverlässig? Oder fällt dieses Formular sowieso in die Kategorie Altpapier-aber-man-muss-doch-solche-Leute-für-einen-Termin-hinreichend-quälen-und-zeitlich-in-Anspruch-nehmen?

Zumindest für letzteres spricht stark, dass man dem Formular zwar einen aktuellen Lebenslauf beilegen muss, aber zusätzlich die ganzen Daten aus eben diesem Lebenslauf noch einmal handschriftlich in die engen Zeilen und Spalten des Altpapiers übertragen muss. Da ist doch ein simples „siehe Anhang“ sehr verlockend.

Wenn schon die Vorbereitung auf ein Vermittlungsgespräch derart frustrierend ist, was — so frag’ ich mich — kommt dann im Gespräch?

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2 Antworten auf „Maximal fünf persönliche Stärken…“

  1. Im Gespräch? Also, Gespräch würde ich das nicht nennen, vielleicht doch eher Verhör. Ach, und falls man denkt, dass es sich mit den zweifachen Angaben zum Lebenslauf nun erledigt hätte, der irrt. Trotz dieser eindeutigen und doch gerade persönlich übergebenen — und wirklich auch gut leserlichen — detailgenauen Unterlagen zum bisherigen Verlauf eigenen Lebens, durfte das alles dem Bearbeiter/ der Bearbeiterin noch einmal verbal vortragen werden. Beim Verhör dient dauerndes Wiederholen dazu, Widersprüche in den Aussagen des Befragten aufzudecken. Taktik?

    1. Natürlich Taktik… Diszplinierungsmaßnahmen (Formuare über Formulare, vorgesetzte Termine, Wartezeiten, leblose Korridore, vom Wind durchheult wie die Todeszone einer — intellektuellen? — Wüste, stetige Wiederholungen von Fragen und Antworten) sind die Werkzeuge des Wagenlenkers, der dem Esel die Möhre mit der Angel vor die Nase hält. Oder wie schon Tucholsky sagte:

      Eine der schauerlichsten Folgen der Arbeitslosigkeit ist wohl die, daß Arbeit als Gnade vergeben wird. Es ist wie im Kriege: Wer die Butter hat, wird frech.

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