Apfel mit Wurm – 4

Es wird mal wieder Zeit für einen neuen Mountain-Lion-Bashing-Artikel. Und nein, es geht hier nicht um Berglöwen! Ich mag Katzen — auch Großkatzen — wirklich gerne (letztere aber bitte nur aus der Ferne). Ich mag sie nur nicht in Form von fehlerhaftem oder schlichtweg nervigem, entmündigendem und indoktrinierendem Code auf meinem (für die diesmal gelieferte Leistung wirklich) zu teuren Macbook Pro. So möchte ich mich heute einmal über ein nicht mehr ganz so neues, aber für mich als bisherigem, noch ohne Apps funktionierendem Snow-Leopard-Nutzer ziemlich penetranten Stück S…oftware auslassen. Es geht um den Mac App Store.

Der soll eigentlich die Software-(De-)Installations- und Update-Zentrale schlechthin sein. Klingt so auf Anhieb erst einmal gut, oder? Keine lästigen Installer-DVDs mehr, nicht auf dreißig verschiedenen Webseiten irgendwelche Programme herunterladen und jeweils einen eigenen Installationsprozess starten, sofortiger Zugriff und Bezahlung aus einer Hand — was möchte man als Freizeit-Tastendrücker mehr?

app2date
Und App in den Papierkorb! Bitte!
(Quelle: http://www.apple.com/de/osx/apps/app-store.html)

Dagegen spricht zum Beispiel, dass Apple in seiner Allmächtigkeit natürlich alles, was dort an Programmen angeboten wird, kontrolliert. Klar vermindert dies die Chance, dass Schadsoftware angeboten wird (aber auch nicht zuverlässig), aber zugleich verzögert es auch die Update-Zyklen bei Programmen mit bekannten und gefixten Bugs. Da bleibe ich doch lieber bei den Einzelinstallern und ihrem eigenen Update-Zyklus, das erscheint mir etwa bei Browsern (Opera etwa hinkt im App Store gerade eine Version hinterher) etwas sicherer. Nette Open-Source-Programme bekommt man über den App Store sowieso nicht, weil die Apple-AGB mit der offenen GPL inkompatibel ist. Daher gibt es so sinnvolle Pakete wie VLC, Adium, Skim etc. schon gar nicht über die Apple-Zentrale. Einige kommerzielle Produkte, wie z. B. Adobe Lightroom, sind aber auch nicht im (europäischen) App Store zu finden — man fragt sich, woran das nun wieder liegen könnte…

Allmächtigkeit heißt übrigens auch, dass nicht nur lizenzbedingte Streichungen im App-Angebot an der Tagesordnung sind, sondern der App-Store-/iTunes-Store-Nutzer generell nur die kleine heile Apfelwelt vor die Nase gesetzt bekommt. Schon gewusst? Apple zensiert. Und dann auch noch so komische Dinge wie nackte Haut, Schimpfwörter in Liedtexten und aktuelle Informationen zu Krisenherden der Welt. Seit wann ist Kapitalismus denn derartig prüde?

Unabhängig davon, ob man nun seine Programme wieder selbst im Netz sucht und installiert, um den App Store kommt keiner herum. Schließlich laufen dort weiterhin die Update-Routinen für das System und die mit Erwerb der Kiste vorinstallierte Software — z.B. für so sinnlose Dinge wie das Game Center. (Auch so ein Ding, das man nicht los wird, selbst wenn man es möchte. Man konnte es anfänglich auf dem iPhone noch nicht einmal in einen Unterordner namens „Müll“ schieben, aber es gänzlich zu löschen ist heute immer noch nicht erlaubt!) Aber gut, dann nutzt man ab und zu einfach den App Store für die notwendigen Systemaktualisierungen und ignoriert das Ding den Rest der Zeit — schließlich unterscheidet sich von der bisherigen Update-Routine auch nur die völlig überfrachtete und langsame Store-Oberfläche.

Pustekuchen. In regelmäßigen Abständen meldet sich nun penetrant der App Store zu Wort und blendet eine Nachricht zu vorhandenen Updates in der rechten oberen Ecke des Bildschirms ein. Und es gibt keinen Ausschalter!

Updates Available

Man kann auf „Details“ oder auf „Update“ klicken (meinetwegen auch irgendwo sonst auf die Nachricht), man landet immer im neu aufgerufenen App Store — selbst wenn man dann keine Berechtigung zum Installieren hat. Was soll das? Gut, ich hätte die Berechtigung bei mir auf meinem System, aber erstens brauche ich keine Erinnerung, dass es immer noch dieses eine Digital-Camera-RAW-Compatibility-Update für Canon- und Nikon-Knipsen gibt (besitze ich nämlich nicht und will ich daher auch nicht installieren), und zweitens will ich wirklich nicht jedesmal auf den App Store warten, bis ich wieder etwas anderes mit dem Rechner machen kann. (Geschweige denn, dass ich jetzt — jetzt! — JETZT! ein System-Update mache, seit das inzwischen auf beim Mac immer mit einem Neustart verbunden ist.)

Nicht, dass ich die Benachrichtigung an sich problematisch fände. Nur möchte ich diese ignorieren dürfen, ohne dass sie weiterhin wichtige Bedienelemente meines Systems verdeckt. Optimal wäre etwa, wenn die Nachricht nach wenigen Sekunden anwenderfreundlich und ohne Aufhebens einfach verschwindet. Und wenn der Nutzer keine Adminrechte hat, sollen derartige Nachrichten gefälligst ausgeschaltet werden können!

Es gibt für das „Notification Center“ bzw. die „Mitteilungszentrale“ tatsächlich einen „normalen“ Ausschalter, wenn es einem reicht, dass das Ding nur für den Rest des Tages die Klappe hält und danach wieder fröhlich weiter plaudert…

Und täglich grüßt das Murmeltier!

Möchte man ein wenig permanentere Ergebnisse haben, hilft glücklicherweise ein wenig Terminal-Magie. Damit verschwinden nicht nur diese komischen nervigen Nachrichten, sondern überhaupt das ganze damit zusammenhängende „Notification Center“ am rechten Rand. Dies habe ich persönlich eigentlich immer nur unfreiwillig beim Scrollen durch ein Zwei-Finger-Wischen vom rechten Trackpad-Rand aus geöffnet und anschließend schnellstens wieder geschlossen. Dass man überhaupt auf Terminal-Befehle zurückgreifen muss, um eine solch penetrante Funktion länger als einen Tag loszuwerden, ist schon hochgradige Bevormundung. Aber nun noch schnell in den System-Einstellungen zur Gestensteuerung das Zwei-Finger-Wischen ausgestellt und man fühlt sich — zumindest bei diesem Problem — wieder als Herr/Frau im eigenen virtuellen Hause! Uff…

PS: Das „Notification Center“ ist übrigens auch so ein appiges Ding, das den Sprung vom iOS in die (ehemals) Produktiv-Umgebung OS X geschafft hat. Ich nutze beides nicht und bin glücklicherweise auch nicht ganz allein. Danke OS X Daily!