Apostrophitis

Polemische Bezeichnung für die normwidrige Verwendung des Apostrophs, auch gerne bezeichnet als Deppenapostroph oder Idiotenapostroph.

— vgl. z.B. hier

Die Endung des Begriffes -itis lässt diesen als Fachbegriff für eine Krankheit wirken — sollte diese Wertung eines simplen Rechtschreibfehlers von dem Leser als zu stark empfunden werden, so bin ich fast geneigt mich dafür zu entschuldigen. Aber eben auch nur fast. Sofort muss ich wieder an das beinahe körperliche Unbehagen denken, das mir diese Sprachvergewaltigung beim Schlendern durch die Stadt, beim Autofahren über Land, beim Surfen durch das Netz inzwischen fast täglich bereitet.

In der Stadt erwischt es mich kalt bei Geschäftsnamen, Plakat- oder Türstopper-Wortkonstruktionen (à la Heike’s Bar, wo Snack’s verkauft werden und man samstag’s eine Aushilfe sucht — Zusammenhang erfunden). Beim Autofahren erregt die Aufschrift auf einem Kleintransporter (Mama’s Natursäfte) in nicht nur einer Hinsicht Übelkeit. Und im Netz ist sowieso Hopfen und Malz verloren, was eine gepflegte Rechtschreibung angeht…

Für die, die noch nicht genügend Unbill auf ihren normalen Wegen durch das Leben gesehen haben, gibt es viele Webseiten, die sich ausführlich dem Phänomen des Deppenapostrophs (z.B. hier, hier oder hier) widmen, so dass ich dies an dieser Stelle nicht auch noch auswalzen muss. Für die grafische Untermalung des Themas sorgt z.B. Flickr.

Es sei hier nur ganz kurz darauf verwiesen, dass man nicht immer alles richtig schreiben muss. Ein wenig Buchstabenkreativität kann auch ganz reizvoll sein. Wenn man allerdings für die Öffentlichkeit schreibt — noch dazu Kundschaft anlocken möchte — sollte doch die ein oder and’re  [Auslassung, daher Apostroph korrekt, Anm. d. Verf.] Gehirnzelle auf das verwendet werden, was schließlich überm [i.d.R. ohne Apostroph, da Verschmelzung von Präposition und Artikel] Schaufenster hängt oder vorm [s.o.] Eingang steht. Denn: Gegebenenfalls könnt’s [s.o.] auch Kundschaft vergraulen — mich zum Beispiel.

Es gibt natürlich noch viele weitere Schreibsünden in der Öffentlichkeit (z.B. die Verwendung des sogenannten Deppenleerzeichens oder die von Binde- und Gedankenstrich), aber über die lasse ich mich (vielleicht) später einmal aus. Bis dahin, Ihr Fülltext.

4 Antworten auf „Apostrophitis“

  1. „Dottikon, das
    Ein Apostroph, der keiner ist. Besonders verbreitet sind Dottikons in Wortgebilden wie „Dieter´s Kneipe“, „Susi´s Nähstübchen“ und „Mittwoch´s geschlossen“.“

    „Der tiefere Sinn des Labenz“,
    Douglas Adams, John Lloyd & Sven Böttcher

    Medizinisch würde ich übrigens eher von einer (Dis-)Apostrophiose sprechen, was eine chronisch degenerative Erkrankung an einem Übermaß von Apostrophen beschreibt, im Gegensatz zur Apostrophitis, welches eine Entzündung des Apostroph´s wäre.

    Irrelevante Grüße

    Jan

    1. Das „Apostroph´s“ sollte ich Dir jetzt übelnehmen, aber wie könnte ich denn, wenn Douglas Adams das Dottikon zu quasi lexikalischen Ehren kommen lässt? Und nun bin ich aller guten Vorsätze zum Trotz doch noch fast ein Burslem (vgl. hierzu die englische Version: The Deeper Meaning of Liff)! Gute Nacht…

    1. Ja, aber auch eben nur dann. Wenn nun Leute tatsächlich das Beispiel von den Geschäftsbesitzern Andrea (Andrea’s Geschäft) oder Andreas (Andreas‘ Geschäft) im Duden sehen, aber die nebenstehende Begründung dafür ignorieren und schließlich Siggi’s Super Sachen Shop (ja, komplett mit Deppenleerzeichen) an die Wand malen, na dann verdeutlicht das nur eines: Wer lesen kann, ist klar im Vorteil. Wer den Duden lesen kann, ist machmal echt im Nachteil — Stichwort Augenkrebs.

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