Beredtes Schweigen

Wer diesen Blog schon länger verfolgt, dem ist ein Versiegen der Beiträge aufgefallen. Was gibt es auch noch zu sagen, nachdem im letzten Jahr viel kaputt gegangen ist: die Demokratie, der Punk und manch private Beziehung auch, aber über letzteres ist öffentlich nichts zu sagen. Marginalspaltenexistenzen, die in der Lesart von DDR-Biografien, die ihre Laubenpieperexistenz gerne als Widerstand ausweisen wollen, Nischenexistenzen heißen, haben in der Vergeblichkeit ihres Mühens nur noch eine lutherische* Rechtfertigung: Hier stehe ich und kann nicht anders. Doch was bei Luther auf Letztbegründung hoffen darf, treibt einen in der Politik in keine Richtung. Die Spielregeln der Demokratie sind porös geworden. Nun lauern die Hyänen des Kapitals auf das Knacken der Knochen. Möglich, dass die letzte große Aufgabe des Menschen, die letzte nicht gefundene Erkenntnis, die Ordnung des Sozialen als jene Herkulesaufgabe erkannt wird, in deren Anstrengung wir uns – ganz anders als in der Erstürmung von 8000er-Gipfeln – als das erkennen, was wir sind oder wenigstens sein sollten, und zwar, als homo sapiens.

* die ungewöhnlichste Steigerungsoption, die sich laut Duden auf eine Einzelperson beziehen ließe.