Blut und Spiele

Hin und wieder leisten die öffentlich-rechtlichen Sendeanstalten ganze Arbeit, so beim aktuellen Dokumentarfilm über die Folter und Ermordung von Elisabeth Käsemann durch die argentinische Diktatur während des WM-Vorbereitungsspiels der deutschen Nationalelf und der Fußball-WM im Jahr drauf, d.h. im Jahr 1978.

Der Dokumentarfilm zeigt deutlich, wie sich das Außenamt unter Hans-Dietrich Genscher zum Büttel der Mörder und Folterer macht, wenn zwar jede Hilfe für Käsemann verweigert wird, d.h. niemand sich beim argentinischen Botschafter oder aber bei der Junta beschwert, aber bei der Familie Käsemann über deren mangelnde Kooperation beim Zusammenstellen von Listen der Freunde Elisabeth Käsemanns. Die Verantwortlichen im Außenamt werden demaskiert. Hans-Dietrich Genscher, der alte Fuchs aller Finten und Täuschungen, hat zwar dem Interview zugestimmt, aber dann auch nach über einem Jahr keine Zeit gefunden. Sein Stuhl bleibt leer und er jede Antwort schuldig. Mehr Mut bewiesen Frau Hamm-Brücher und Klaus von Dohnanyi. Sie stellten sich den Fragen und bewiesen jede Nuance, der durch Scham überschriebenen Schuld. Denn während man ihnen den Dokumentarfilm über glaubt, nicht zuständig gewesen zu sein oder noch neu im Amt, werden ihre Einlassungen durch ihre Erklärungen im Parlament deutlich. Den Karrieregesetzen folgend haben sie seinerzeit gelogen. Hamm-Brücher verweist auf Hans-Dietrich Genschers Position des großen Vorsitzenden (0:43), wenn sie klar macht, nicht aktiv geworden zu sein. Die von ihr lediglich verlesene Erklärung im Parlament hätte man ihr vorbereitet. Man sollte im Parlament, wenn da heute noch jemand während der Debatten anwesend wäre, doch Zettel vor dem Redner aufstellen, auf denen steht, wer es denn geschrieben hat und vielleicht ergänzen, wer die Verantwortung für die inbrünstigen Reden tragen möchte.

Der deutsche Botschafter Jörg Kastl hält, da Elisabeth Käsemann mit „explosiven Gedanken“ nach Argentinien gekommen war, es nicht für notwendig sich für die Bürgerin der Bundesrepublik einzusetzen und sie vor Folter und schließlich Ermordung zu bewahren. Hamm-Brücher wird (0:30) von Kastl widersprochen, dass das Außenamt sehr wohl davon ausging, das Käsemann Terroristin war und daher jede Hilfeleistung durch die Bundesrepublik unterlassen wurde. Aber, so stellt es Gerhart Baum klar, selbst der Terrorismus kann kein Vorwand für Folter und Ermordung sein. Die britische, amerikanische, finnische, niederländische oder auch die österreiche Diplomatie hat sich humanitär engagiert, die deutsche Botschaft ließ sich von der Junta „Sicherheitsaufgaben“ abnehmen. Kastl belegt seine Unschuld mit seiner Karriere im Außenamt. Er ging anschließend nach Brasilien, eine kaum weniger blutige Diktatur, aber eine Diktatur mit großem wirtschaftlichem Engagement bundesdeutscher Unternehmen.

Also sehen, solange es noch geht: ARD.