Zeit und Geschmack

In der Geschichtswissenschaft gilt seit Mitte des 19. Jahrhunderts, dass die Gegenwart des Betrachters die betrachtete Geschichte formt. Wieviel stärker muss dieses Moment sein, wenn die Geschichte sich als Unterhaltung dem Zeitgeschmack andient!

Aktuell kann man in der ZDF-Mediathek einen Historienschinken über Maximilian sehen. Die dummen und dreisten Bürger, die mit ihrem Geld kaum wissen wohin, vertreiben die Flüchtlinge. Gerade noch hatte die gütige Adlige tausenden Geflüchteten helfen wollen. Der Nachfrage, wer soll das bezahlen, begegnet sie mit einem

„wir schaffen das. 1

Was sagt dies nun über unsere Zeit?

1. Maximilian, Teil 2, ZDF, ca. 44:50

Ob Bonn, Berlin

…oder Tondern/Amt Südtondern, Skulpturen von Henry Moore stehen für Verbindungen, Verbindungen zwischen Menschen, zwischen Kulturen, Verbindungen über Grenzen hinweg. In das kulturelle Gedächtnis der alten Bundesrepublik ist der Moore vor dem Bonner Bundeskanzleramt eingebrannt, warb doch jeden Abend die Tagesschau damit. Jüngst diskutierten Architekten und Städteplaner in Bonn wie Demokratie zu bauen, Identität zu stiften sei, vom WDR ikonografisch wiederum mit dieser Moore-Skulptur beworben:

By Hans Weingartz [CC BY-SA 2.0 de (http://creativecommons.org/licenses/by-sa/2.0/de/deed.en)], via Wikimedia Commons

Aktuell können gleich zwei Henry-Moore-Ausstellungen in Augenschein genommen werden, zum einen in der Nolde-Stiftung und, quasi gleich nebenan, im sieben Kilometer entfernten Kunstmuseum Tondern, also auf der  dänischen Seite. Also nix wie hin in das deutsch-dänische Grenzland, der Schleswig-Holsteinische Ministerpräsident war auch grad da.