Der Papst kommt

und zwar nicht nur nach München und Berlin. Ganze zwei Tage wird er in Thüringen sein, Erfurt und das Eichsfeld besuchen. Heute geht’s los. Kein Aufwand scheint für den hohen Herrn zu groß. Neben den obligatorisch zugeschweißten Kanaldeckeln und großräumigen Absperrungen der Städte, wird im Eichsfeld sogar eine Autobahn voll gesperrt. Der Grund: Die Infrastruktur sei für den erwarteten Ansturm der Gläubigen nicht genug. Und so wird kurzerhand die A38 zum Parkplatz. Sackgasse Eichsfeld, sozusagen.

Hier in Thüringen ist also die Hölle los. Ok, dieser Ausdruck ist denkbar unpassend für einen Papstbesuch. Aber mal ehrlich! Morgen werden die Tore zum Domplatz in Erfurt bereits um 4:00 Uhr in der Früh geöffnet, um Willigen das lange Warten zu ermöglichen. Nur gut, dass es bei mir doch nicht mit den Karten geklappt hatte.

Aus der Serie "Schlechte Handyfotos". Das Blaue ist das Blaulicht der Polizei im Rückspiegel meines Autos.
Aus der Serie „Schlechte Handyfotos“. Das Blaue ist das Blaulicht der Polizei im Rückspiegel meines Autos.

Doch die Anreisewelle kam schon gestern Abend ins Rollen, da war ich auch gerade auf dem Weg nach Thüringen. Meine Mutter hatte mich schon gewarnt. „Fahr vorsichtig, die wollen alle zum Papst!“ Doch geglaubt hab ich das erst auf der Autobahn Richtung Erfurt. Aus der Ferne waren sie schon zu sehen. Im Dunkeln fielen sie natürlich  auf:
20 Polizeifahrzeuge, im Konvoi auf der mittleren Spur, mit einer konstanten Geschwindigkeit von 130 km/h und mit Blaulicht. Und das ist für den normalen Verkehr echt anstrengend. Schon mal an so einer grell blitzenden Kolonne vorbei gefahren? Ich kann mir durchaus vorstellen, dass dieses Licht bei Epileptikern einen Anfall auslösen könnte. Ob sich die Polizei darüber im Klaren ist, dass sie damit eine echte Verkehrsgefährdung darstellen? Was soll das? Vorschrift oder Vorfreude auf den Papst?

Hat man die Truppe erst einmal hinter sich gebracht, kann man bei einem Blick in den Rückspiegel endlich einmal nachempfinden, wie sich Verbrecher auf der Flucht fühlen. Danke!

2 Antworten auf „Der Papst kommt“

  1. Religiöse Entzückung durch epileptische Reize zu provozieren, wird in Deutschland eben immer noch als Staatsaufgabe angesehen.

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