Die Stunde der Ideologen

Wenn die Pussy-Riots in einer orthodoxen Kirche kreischen „Putin pisst sich in die Hose“ (3Sat, Kulturzeit), dann ist das politischer Widerstand für die Freiheit. Wenn die Titanic den Papst als nicht ganz dicht aufs Cover setzt, dann ist das dekadent (Thomas Goppel, CSU). Dekadent war übrigens auch der Terminus der SED für unliebsame Kultur und das hieß für unterdrückte Kultur.

Der umstrittene Titanic-Titel war für mich als Gelegenheitskäufer ein Grund dieses Heft nicht zu kaufen, aber eben kein Politikum. Ob man überhaupt die Persönlichkeitsrechte des Papstes verletzten kann oder nicht vielmehr, solange man ihn nicht als Herrn Ratzinger beleidigt, er diese Form der Meinungsfreiheit hinzunehmen hat, wird ein Gericht oder auch mehrere zu klären haben. Schon jetzt aber zeigen sich die Ideologen, die Wächter von Wahrheit und Moral, denen so wenig vertraut ist, wie eine republikanisch verfasste Demokratie lebendig bleibt.

p.s.: Ich geh mir dann mal doch das aktuelle Titanic-Heft holen.

3 Antworten auf „Die Stunde der Ideologen“

  1. Der Pontifex, oder besser seine Anwälte, werden schon gewusst haben, warum sie gerade in Hamburg klagen. Es gibt schließlich keinen realitätsferneren Verein als die dortige Medienkammer, abgesehen von verschiedenen Religionsgemeinschaften vielleicht, womit sich der Kreis wieder schließt.

  2. Ja, ja, die Titanic erinnert immer mal wieder daran, dass die Meinungsfreiheit eklige Folgen haben kann.

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