Fachkräftemangel?

Das LG München hat’s mal wieder bewiesen. Als Richter kann man (ähnlich wie als Politiker) durchaus über Dinge referieren und vor allem entscheiden, von denen man offensichtlich keine Ahnung hat. Stein des Anstoßes ist diesmal diese Geschichte.

Nun kann man darüber diskutieren, ob Nutzeraccounts mit eingeschänkten Rechten generell sinnvoll oder eher Überbleibsel guter alter Zeiten sind. Eindeutig feststellen muss man aber: Sie halten niemanden mit auch nur rudimentären Computerkenntnissen davon ab Filesharing zu betreiben!

Denn, glauben Sie dem frisch gekürten FISI, innerhalb meines Nutzeraccounts kann ich beinahe beliebig tun und lassen, was ich will. Das schließt natürlich auch das Herunterladen und Starten sogenannter „portable“ Versionen von Programmen ein. Diese bringen alle benötigten Komponenten wie DLLs mit und lassen sich ohne Eingriffe ins System (für die man ja keine Rechte hat) benutzen.

Als Beispiel sei dieses Programm angeführt.

Q.E.D.

Wie im eingangs verlinkten Artikel auch angeführt, lässt sich das Herunterladen von sog. File-/Sharehostern mit eingeschränkten Nutzerrechten überhaupt nicht verhindern, da diese eine ganz normale Http-Verbindung nutzen.

Einigermaßen sicher beikommen lässt sich dem Problem nur durch den Einsatz von Statefull-Protection-Firewalls, Contentfiltern und ähnlich schwerem IT-Geschütz. Die gibt es fertig von verschiedenen Herstellern oder als Open Source zum Selberbauen. Beide Lösungen dürften einem privaten Haushalt, aufgrund des finanziellen wie zeitlichen Aufwands und des erforderlichen Know-Hows, schlicht nicht zuzumuten sein. Außerdem würde es die Familienbande doch arg strapazieren, wenn mir mein (nicht existenter) Bruder derartige Überwachungs- und Filtertechnologie vorsetzte.

All dies hätte man als durchschnittlicher Richter an einem Landgericht nicht wissen müssen, aber man hätte fragen können. Trotz Fachkräftemangel aller Orten sollte sich in der bayerischen Landeshauptstadt doch noch der eine oder andere Sachverständige für IT-Fragen auftreiben lassen.

Im Gegensatz zu Dieter Nuhrs berühmtem Satz gilt hier nämlich der Grundsatz: „Wenn man keine Ahnung hat, einfach mal nachfragen.“ Der gilt nicht nur für Richter, sondern auch für die oben bereits erwähnten Politiker und könnte allen Beteiligten viel Ärger ersparen.

Übrigens ist die Benutzung von Filesharingdiensten oder Filehostern in Deutschland absolut legal, solange man kein urheber- oder strafrechtlich relevantes Material darüber tauscht.

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