Feministische Filme (6): Die Jagd 2012

Die Jagd.

Ist die Jagd ein feministischer Film? Jahrhunderte männlicher Gewalt haben die Rollen zwischen Männern und Frauen allgemein definiert, aber sind die Rollen auch konkret festgelegt? Frauen sind Opfer von Männern, d.h. Männer sind Täter und es genügt dies auszusprechen, dann wird es auch im konkreten Fall Realität. Eine Dynamik der Verdächtigung schafft die Realität, die die gekränkten Seelen brauchen, um sich wieder aufzurichten. Wenn der Mensch ein Mangelwesen ist, wie Arnold Gehlen behauptet, dann ist es vor allem ein Mangel an Seelentrost, der ihn umtreibt. Seine eigene Ungerechtigkeit suhlt sich im Mangel an Trost, denn ein jeder weiß, er hätte diesen Mangel verdient. Nur die Rückversicherung in der zunehmenden Behauptung, dass die Verdächtigung Realität sei, sichert den Geltungsanspruch auf die vermeintliche Wahrheit, und dies ist die Erzählung des Feminismus: die Verletzlichen sind die Verletzten. Aber die, die ihnen nahekommen, sind eben auch gefährdet. Wäre doch die Falschbehauptung der Ungeheuerlichkeit selber ungeheuerlich, schon deshalb muss sie wahr sein. Welchen Ausweg gibt es, wenn die Politik uns seit Jahren mit ihren Kinderpornophantasien verfolgt, vergiftet doch der Generalverdacht das Gemeinwesen, denn der Anteil pädophiler Straftaten im Verhältnis zu ihrer öffentlichen Reflexion ist exorbitant gering. Was aber sagt diese starke Differenz über unsere Gesellschaft? Wir wollen uns gerade dann mit dem Fingerzeig auf Andere erheben, wenn die eigene moralische Gefährdung außerordentlich gering ist. Frauen sind hier also von vornherein auf der Siegerseite, das waren in den vergangenen Jahrhunderten Männer, und zwar durch ihre körperliche Überlegenheit, auch wenn sie von Fall zu Fall ganz und gar unüberlegt daher kam. Also mobilisieren wir was uns tatsächlich zum Menschen macht, auch wenn es nicht einfach ist. Wäre es einfach, dann könnte es ja Jeder/Jede.