Fern- oder Wegsehen

Die Frage, die sich öffentlich-rechtliches Fernsehen vor allen anderen stellen muss, ist: Was ist Dein Beitrag, Dein Sendungsauftrag, für die Demokratie, für die Republik. Das „für“ ist ernst zu nehmen, gerade im redaktionellen Anteil. Öffentlich-rechtliche Medien verlieren sich stattdessen zunehmend an vermeintliche Marktgesetze.

So interviewen Journalisten, oder sollte man sie nicht lieber Medienbedienstete nennen, gerne andere Medienbedienstete. Sie steigern so ihren Marktwert in wechselseitiger Präsenz und in Redundanz. Wenn ein Journalist etwas zu sagen hat, dann sollte er es tun. Wenn ihm dies nicht gelingt, dann ist ein Interview mit ihm nichts wert. Es sei denn, es handelt sich um Berichterstattung über Berichterstattung, kurz: um ein Medienmagazin.

– Also ab jetzt: Keine Interviews mit anderen Interviewern!

Zwei weitere Marktargumente sind, dass der Marktanteil, sprich die Einschaltquote, über die Zuschauerbindung und den Multiplikationseffekt entscheidet. Glaubt wirklich noch jemand, dass die Leute zu doof für die Fernbedienung sind und wenn das so wäre, man einen Multiplikationseffekt haben wollte. Die Zuschauerbindung dürfte weggezappt sein. Man könnte also Gottschalk, der mehr Geld frisst als unser aller Kanzlerin, getrost abschalten und stattdessen auf Staunenswertes aus Wissenschaft und Politik wetten.

– Also ab jetzt: Nie mehr sinnbefreite Spieleshows!

Gut, Ihr Fernsehmacher habt bei Arte verstanden, dass man mehr als nur einen Tonkanal hat, aber warum nur im Ausnahmefall. Man könnte doch immer die Originalsprache als Option anbieten. So lernte man wenigstens in fremden Sprachen fluchen.

– Also ab jetzt: Fernsehen mit Originalsprachen! 

Gerne spart Ihr Geld, wenn Ihr zum 100sten Mal einen Film wiederholt. Aber sagt das doch wenigstens an. Das senkt auch die psychischen Erkrankungen.

– Also ab jetzt: Immer ansagen, die wievielte Wiederholung wir jetzt zu sehen bekommen!

Dabei wird auffallen, dass Eigenproduktionen eine gute Idee sind. Und das bei Gottschalk gesparte Geld könnte man hier wieder ausgeben.

– Also ab jetzt: Fördert die Filmwirtschaft in Deutschland nachhaltig! (Es gibt auch andere Stoffe, als immer nur Krimis!)

Gerne gebt Ihr Geld für sogenannte O-Töne und Bilder aus. Aber selbst ängstliche Journalisten auf Hoteldächern sind keine O-Töne.

– Also ab jetzt: Nur noch O-Töne und Bilder, die diesen Namen verdienen, die Story selbst zeigen und nicht nur kommentieren!

Ihr sagt, Ihr müsst marktgerecht — als würde der Markt gerecht sein — wirtschaften und braucht daher Werbeeinnahmen. Also könnte man bei Gottschalk und Co noch mit viel gutem Willen einen öffentlichen Bildungsauftrag annehmen, für die Werbebeiträge gilt dies nicht. Die Staatsbetriebe ARD und ZDF benachteiligen so nur die Privatwirtschaft unzulässig. Wenn ich öffentlich-rechtlich einschalte, dann möchte ich auch öffentlich-rechtlich sehen und oder hören.

– Also ab jetzt: Keine Werbung mehr!

Ich weiß nicht, wie viele Stunden Ihr pro Tagesstunde inzwischen sendet, aber glaubt mir, es sind zu viele und das nicht nur für einen.

– Also ab jetzt: Sender und Kanäle reduzieren! Verkauft endlich das ZDF!

Liebe öffentliche Medienmacher, auch wenn Ihr haushalten müsst, der Markt ist nicht Euer Gesetz. Ihr werdet öffentlich alimentiert, also benehmt Euch auch so, sonst ist die Demokratie weg und Ihr auch.

– Also ab jetzt: Beschäftigt mehr Politik- und Sozialwissenschaftler!

2 Antworten auf „Fern- oder Wegsehen“

Kommentare sind geschlossen.