Frank und frei: Friedrich

Lieber Herr Friedrich,

in unserem Grundgesetz steht irgendwo — ziemlich weit vorne glaube ich —

Die Würde des Menschen ist unantastbar…

Da steht nicht — und das ist elementar: „Die Würde des Deutschen…“ oder „Die Würde des Herrenmenschen…“ Und auch wenn es für das normale CSU-Mitglied schwer zu fassen ist, das bezieht auch „den Neger“, „das Schlitzauge“, „den Indianer“ und „den Islamisten“ mit ein.

Nun hat Ihre geschätzte Kollegin Ursel vom anderen Ende der Republik ausrechnen lassen, dass der durchschnittliche Deutsche etwa 375 € im Monat braucht, um menschenwürdig leben zu können. Über die Zahl wurde und wird gestritten, das aber ist ein anderes Thema. Da aber der durchschnittliche Deutsche auch nur ein Mensch ist, hat sich das Bundesverfassungsgericht gedacht „Wenn deutsche Menschen mit weniger als 375 € nicht menschenwürdig leben können, wieso sollte das mit nichtdeutschen Asylbewerber-Menschen anders sein? Wo doch im Grundgesetz steht…“, aber das hatten wir schon.

Jetzt aber, mein lieber Herr Friedrich, stellen Sie sich hin — in aller Öffentlichkeit — und stellen fest: Einheitliche Leistungen für Asylbewerber und Hartz-IV-Empfänger seien deshalb falsch,

weil wir sonst noch mal mehr Wirtschaftsflüchtlinge anziehen.

Ihnen ist hoffentlich klar, dass Sie damit eine — vergleichsweise — Lappalie wie die Migrationspolitik über Artikel 1 unserer Verfassung stellen. Die Verfassung, deren Schutz Ihrem Ministerium obliegt. Und das tun Sie, obwohl das oberste deutsche Gericht ausdrücklich festgestellt hat:

Die Menschenwürde ist migrationspolitisch nicht zu relativieren.

Jetzt frage ich mich noch, was schlimmer ist: Entweder wissen Sie dies alles und fischen vor den Landtagswahlen in Bayern am rechten Rand, indem sie bewusst die Menschenwürde mit Füßen treten. Oder Sie sind als Bundesinnenminister so unqualifiziert, dass Sie dies alles wirklich nicht begreifen.

Beide Möglichkeiten machen mir Angst.