Wer gerne einmal in einer aufgeräumten und gut bewachten Rumpelkammer des Lebens herumstolzieren möchte und der Meinung ist, dass seine Leidenschaften längst musealisiert gehören, der besuche die Ausstellung “Die Leidenschaften: Ein Drama in fünf Akten” im “Deutschen Hygiene Museum”. Unübersichtlichkeit ist dabei garantiert und garantiert programmatisch gemeint.

Alles, was Emotionen auslösen könnte, wird dort zur Schau gestellt.

So findet sich auch ein Wende/Deutsche Einheit-Eintrag: “Dem russischen Politiker Wladimir Iljitsch Lenin (1870-1924) wird der Ausspruch nachgesagt, dass es in Deutschland keine Revolution geben könne, weil sich die Deutschen, wenn sie einen Bahnhof stürmen wollten, zuerst am Schalter anstellen und eine Bahnsteigkarte kaufen würden. Doch 1989 erlebte das Land eine Revolution, als die zornigen DDR-Bürger gegen das SED-Regime demonstrierten und sich nicht mehr beruhigt in die Reihe stellen wollten.”

Freilich löst eben auch manches Emotionen aus, was die Ausstellungsmacher getan haben. Nicht nur, dass am 4. November 1989 eben auch die SED bereits prominent präsent war, hier hielt Markus Wolf eine Rede, sondern dieses Geschichtsverständnis irritiert insgesamt. Bitte, wie hat man sich ein Land vorzustellen, dessen Bürger allesamt zornig waren. Nicht das Land erlebte eine Revolution, sondern es gab Menschen, die diese Revolution beflügelt, und andere, die sie passiv genossen haben, und auch jene, die sich dagegen stemmten.

Also komplexe Probleme auf Schlagzeilenformat zu reduzieren, sie substanziell zu entkernen, beschneidet die Reflexionsmöglichkeit des Betrachters unnötig und ist daher ärgerlich!

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