Staat und Kirche

In Irland, das mehrheitlich katholisch ist, hat eine Mehrheit dafür gestimmt, das staatliche Eherecht unabhängig vom natürlichen Geschlecht der Ehepartner zu halten. Dies veranlasste katholische Würdenträger, „nicht nur von einer Niederlage der christlichen Prinzipien, sondern von einer Niederlage für die Menschheit“ zu sprechen. Die Worte der katholischen Kirche waren angesichts der pädophilen Straftaten in den eigenen Reihen und ihrer Verschleierung durch katholische Würdenträger weniger dramatisch.

Offensichtlich verwechseln hier katholische Würdenträger kaum weniger hingebungsvoll Staat und Kirche wie so mancher Bürger und Christ. Der Staat regelt, was unter freien Bürgern geregelt werden kann, die heiligen Sakramente aber sind der Kirche vorbehalten. Leider heißt es sowohl in der Kirche als auch im Familienrecht Ehe, so dass Verwechslungen vorprogrammiert sind.

Die Diskrepanz zwischen Gläubigen und jenen, denen dieser Glaube auch die wirtschaftliche Existenz sichert, kurz, dem Klerus, zu überbrücken, kann nicht Aufgabe des Staates sein, sondern nur der Kirche. Ob es dabei hilfreich ist, „von einer Niederlage der christlichen Prinzipien“ zu sprechen, wie es Kardinalstaatssekretär Pietro Parolin in Rom tat, vermag ich nicht zu beurteilen, habe da aber meine Zweifel.

Die Olympiade dürfte jedenfalls, glaubt man Bundespräsident Gauck, nicht im Vatikan stattfinden.*

Rom

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*Es ist reiner Zufall, dass dieser Text am Kindertag erscheint.