Leitmotif

Das Leitmotiv (ja, ich weiß, wie das im Deutschen geschrieben wird) dieses Artikels ist die Vorstellung einiger Wörter deutschen Ursprungs, die in den Wortschatz anderer Sprachen — in diesem Falle ins Englische — eingegangen sind. Auch nach mehrmahligem Lesen überraschen sie mich zum Teil immer noch, wenn ich wieder über eine solche Sprachentlehnung stolpere. Manchmal sind die übernommenen Silben auch lustig im neuen Lautkontext anzuhören. Ein sehr schöner Film hierzu ist übrigens Eins, Zwei, Drei, einfach mal in die englische (!) Fassung reinschauen und -hören, es lohnt sich! Andererseits erinnern viele dieser übernommenen Worte an unsere jüngere Geschichte, die daran Schuld ist, dass sich solche Wörter im Englischen so sehr eingeprägen konnten.

So ist ohne Zweifel The Blitz — also die Luftangriffe der deutschen Luftwaffe auf britische Städte in den Jahren 1940/41 — eines der einschneidendsten Ereignisse für den englischsprachigen Raum, so dass eine derartige Begriffsübernahme nicht verwundert. The blitzkrieg ist hingegen das aus dem Deutschen übernommene Synonym für die schnelle Kriegsführung der Wehrmacht im Polenfeldzug 1939. Ähnlich sieht es mit der Übernahme anderer Wortkonstrukte aus der Nazi-Zeit aus, so sind z.B. neben dem Führer, dem Third Reich oder den Nazis auch Herrenvolk, Lebensraum, u-boat, panzer oder flak im Englischen gebräuchlich. Die Übernahme des Wortes putsch als Synonym für den coup d’état (auch ein Lehnwort, nur diesmal aus dem Französischen) steht übrigens in Zusammenhang mit dem Kapp-Lüttwitz Putsch von 1920, geht also auf die Zeit vor the Machtergreifung Hitlers zurück. Daneben haben sich auch militärische oder politische Begriffe anderer Zeiten in der englischen Sprache niedergeschlagen. Das Wort Kriegspiel geht beispielsweise auf die Ausbildung preußischer Offiziere im 19. Jahrhundert zurück. The Ostpolitik umfasst als englischer Begriff hauptsächlich die politische Öffnung Westdeutschlands gen Ostblock.

Als Krauts werden die Deutschen seit dem Ersten Weltkrieg abwertend bezeichnet, abgeleitet von der deutschen Traditionsspeise sauerkraut, die z.B. zusammen mit pickled Eisbein gereicht wird. Was das Essen und Trinken angeht, trifft man im englischen Wortschatz — gefühlt — vor allem auf Klischees. So finden sich the Oktoberfest, a schnitzel, a bratwurst, weisswurst with pretzels, frankfurter (schon wieder Würstchen), some weissbiers oder a pils. An weiteren merkwürdigen Speisen sind neben strudel und lebkuchen übrigens auch noch liverwurst und — für die Norddeutschen — rollmop herrings im englischen Wortschatz zu finden. Verschiedene Schnäpse, z.B. ein peppermint schnapps (unbedingt hierzu The Big Bang Theory, Staffel 3, Episode 2 angucken!), regen angeblich die Verdauung an. Was unweigerlich folgt nach soviel Alkohol ist a severe katzenjammer.

Die bayerische Lebensart hat derweil nicht nur über the Oktoberfest, sondern auch über the lederhosen Eindruck gemacht. Und wen nun die wanderlust packt, der packt am besten his oder her rucksack, nutzt beim Klettern den carabiner (natürlich den am Abseilachter) to abseil down und erfüllt schließlich beim yodeling während the alpenglow noch ein weiteres Klischee.

Daneben gibt es noch viele weitere Begriffe, die es Wert wären hier Erwähnung zu finden: angst, bildungsroman, doppelgänger, gemütlichkeit, Götterdämmerung, coffee klatsch, kindergarten, poltergeist, schadenfreude, the umlaut, zeitgeist, Weltschmerz und das leitmotif. Damit das eigene Sprachgefühl nun nicht endgültig verwirrt wird bei dieser ubergeeky Aneinanderreihung von Wörtern, folgt zur Entspannung noch ein kurzer Exkurs zum Glockenspiel amerikanischer GIs (ab Minute 3:15):

[youtube]NELQZZF9qII[/youtube]

 

Dankeschön already!