Odyssee zur Post

Die abenteuerlichsten Dinge des Lebens geschehen häufig bei der (versuchten) Erledigung ganz trivialer Dinge. Zum Beispiel dann, wenn man versucht, einen Brief mit ausreichender Frist zum jeweiligen Einsendeschluss und passender Frankierung der Post zum Transport zu übergeben…

Neulich in einer deutschen Großstadt:

Versuch, abends (kurz vor 20 Uhr) einen Brief aufzugeben. Bedingung, dies vor der abendlich letzten Abholung/ Leerung an der jeweiligen Filiale/ dem jeweiligen Briefkasten einzurichten. Ergebnis, ohne Erfüllung der Bedingung unfreiwillig eine Post-Sightseeing-Tour erlebt zu haben…

Eindeutige Richtungsangaben?

Einziger Trost: Weiterbildung zum (un)qualifizierten Briefkasten-Touristenführer in besagter Großstadt …

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Lehren dieser Odyssee:

  1. Vertraue keinen Angaben auf irgendeiner Webseite, auch nicht, wenn sie postgelb ist.
  2. Postfilialen wollen möglicherweise nicht gefunden werden.
  3. Vor allem dann nicht, wenn sie outgesourct wurde und in den Tankstellen-Shop integriert ist…
  4. Wenn man diese dann doch findet und sie tatsächlich bis 20 Uhr geöffnet haben, muss man dennoch damit rechnen, dass die Post erst am Folgetag zwischen 18 und 19 Uhr abgeholt wird.
  5. Findet man eine outgesourcte (ja, laut Duden gibt es das Wort im Deutschen inzwischen) Filiale in einem großen Einkaufscenter, welche auch noch bis 20 Uhr Post annimmt, gilt auch hier, dass eine Abholung erst am späten Nachmittag des Folgetags vorgenommen wird.
  6. Der Versuch, nun zumindest ausreichend frankierte Sendungen in einen Briefkasten mit einer abendlichen Leerung zu werfen, scheitert zunächst einmal an der kryptischen Aufschrift auf eben diesen gelben Kästen:

    Sendungen aus allen Tages- und Spätleerungen erreichen die Empfänger bundesweit in der Regel mit der nächsten Zustellung. Bei Nachtleerungen gilt dies nur für Sendungen, deren Postleitzahl mit den Ziffern […] beginnt.

  7. Nachdem man dies verdaut hat, möchte man nun natürlich schauen, welche Briefkästen eine Nachtleerung anbieten. Das rechtzeitige Abschicken der Sendung bei einer Leerung zwischen 20 und 22 Uhr am Tag 1 scheint auf jeden Fall sicherer zu sein, als eine Leerung zwischen Mittag und frühem Abend am Tag 2, wenn die Sendung bereits am Tag 3 beim Empfänger auf den Tisch kommen soll…
  8. Ist eine Nachtleerung beim ersten Briefkasten nicht im Angebot, so steht zum Glück noch ganz klein darunter, welche weiteren Kästen in der Umgebung zu finden sind – dankenswerterweise mit Leerungszeiten.
  9. Doch ist man an entsprechendem Kasten angelangt, stellt man fest, dass dessen Leerungszeiten nicht (mehr) mit den erwarteten übereinstimmen. So zieht man denn von Kasten zu Kasten, allesamt nur noch mit Leerungen am Nachmittag.
  10. Hat man sich alsbald von der Idee einer Nachtleerung getrennt und sucht alternativ nach Briefkästen mit einer frühmorgendlichen Visite des Postbotens, steht man vor selbigem Problem.

Fazit: 1 abendlicher Spaziergang, 2 outgesourcte Filialen und gefühlte 30 Briefkästen, alles für eine Leerung um 8:45 Uhr in einer deutschen Großstadt. Und dann fällt der Postsack von der Ladefläche…

Eine Antwort auf „Odyssee zur Post“

  1. Was die Deutsche Post kann, schafft die portugiesische allemal. Zwar nicht, was die Öffnungszeiten betrifft, denn immerhin hat die Hauptpost in Lissabon sogar am Sonntag bis 18:00 Uhr auf, aber versuchen Sie mal im Rest dieser Großstadt Briefmarken zu bekommen. Die portugiesische Post ist sehr fortschrittlich und bietet ihren Kunden moderne Briefmarkenautomaten für die Zeit außerhalb der Öffnungszeiten an. Doch scheinen diese einen eher kriminellen Charakter zu haben, da sie Münzen schlucken ohne Briefmarken zu spucken. Da kann man auch den ganzen sonnigen Nachmittag mit der Jagd nach Briefmarken (für das europäische Ausland natürlich) verbringen, die lieben Mitreisenden in den Wahnsinn treiben und am Ende den wertvollen GPS-Track für die Postfilialen und Automaten verschwenden. Aber Gott sei Dank gibt es ja die Hauptpost!

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