Gesicht und Verlust

Politiker halten ihr Gesicht in die Masse. Ihr Gesicht gerät ihnen und der Masse zu einer Projektionsfläche. Wünsche werden wahr, wenn Prominente ihren Körper für Berührungen darbieten. Doch während Jesus noch mittels Berührung heilen konnte,  partizipiert man heute am Körper des Prominenten — den selbst und von anderen auserwählten — durch die Transformation in einen anderen Heilszustand. Eigene Unzulänglichkeiten schmelzen in der Sonne öffentlicher Aufmerksamkeit, die mit Anerkennung gleichgesetzt wird, wie Eis bei 40 Grad im Schatten.  Und doch sammelt sich unter der Maske der Szenerie ein Verdacht der Aufklärung, dass diese Inszenierung nicht real sein kann, dass sich unter dem Strahlen des Prominenten kein anderes Fleisch verbirgt, als jenes, das morgens aus dem Spiegel zu einem spricht. Der Wahrheit so nahe zu kommen, entzündet den Zorn der kürzlich noch Verzauberten. Jetzt wollen sie dem einstigen Idol das Fleisch vom Schädel reißen.