Vertragsgemäß abgelegt

Nach den werbetechnischen Unklarheiten vom BahnCard-Servie nun beunruhigende Zustellmitteilungen von der DHL. Vor kurzem erreichte mich folgende Mail:

„Sehr geehrter Kunde,

die für Sie bestimmte Sendung 966939960204 konnte nicht zugestellt werden und wurde gemäß Ablagevertrag an entsprechender Stelle hinterlegt.

Sofern Sie weitere Informationen über den Sendungsstatus benötigen, können Sie eine direkte Statusabfrage über den folgenden Link starten: Sendungsverfolgung

Mit freundlichen Grüßen,
Ihr DHL Team“

Nun bin ich in Panik: Ich habe natürlich und vermutlich rechtswidrigerweise den Ablagevertrag nicht gelesen. Und wo befindet sich also die „entsprechende Stelle“?

In der Hoffnung, der Link könnte mir den Weg weisen, klicke ich ihn an und lande zunächst bei der offenbar veralteten Information, daß die Sendung um 8:15 Uhr „in das Zustellfahrzeug geladen“ wurde. Das ist doch mal eine präzise Angabe, und würde selbst den Ansprüchen von jemandem genügen, der sich professionell mit Raum in Sprache beschäftigt.

Interessant ist, daß der Mailservice offenbar schneller aktualisiert wird als das Online-Tracking. Einige Minuten später wird aber auch dieses auf den neuesten Stand gebracht. Die Erlösung ist nah: der Fortschrittsbalken ist grün und zeigt 100%, der Status sagt: „Die Sendung wurde erfolgreich zugestellt“. Gott sei Dank! Jedoch: „zugstellt an: Ablagevertrag“. Oh nein! Zugestellt gemäß Ablagevertrag an Ablagevertrag! Er hat mein Paket in seinem krakenhaften Würgegriff Und ich habe ihn noch nicht einmal gelesen! Wo ist meine Sendung? Sind „entsprechende Stelle“ und „Ablagevertrag“ Synonyme? Lexikalische oder nur funktionale? Wie steht es mit der Räumlichkeit von Verträgen, insbesondere von Ablageverträgen? Ist unter „Ablage“ hier vielleicht nicht der Vorgang der Paketübergabe zu verstehen, sondern die vertraglich vereinbarte konkret-örtliche Ablagestelle für das Paket? Und wer ist der Absender der Mail, avise in avise@dhl.com? Meine muttersprachliche Beraterin überlegt erst 20 Sekunden und sagt mir dann, daß „avise“ ein archaisch anmutendes Wort sei, das von den Normannen kommt und das niemand jemals benutzt. Englisch sei voll von solchen Worten (was wohl stimmt, da das englische Lexikon fast sechs Mal so groß ist wie das deutsche, eine Angabe, die ich nicht mit der angebrachten wissenschaftlichen Sorgfalt überprüft habe).

Übrigens war ich gar nicht der Empfänger des Pakets, sondern der Absender. Aber auch das kann sich das Tracking-Team von DHL offenbar nicht vorstellen, daß der Absender sich selbst in den Benachrichtigungsservice einträgt und nicht den Empfänger.