Sex und -ismus

Über das Programmatische, das der Begriff Sexismus suggeriert, werden Genderdebattengestählte oder auch -gestähltinnen ihre Karrieren bestritten haben und weiter bestreiten. Es kann wenig überraschen, dass auch die aktuelle Debatte ein Kampf um gesellschaftliche Deutungshoheit ist, deren Sieger und Verlierer nicht feststehen. Der Wikipediaeintrag — oder sollte man sagen, die Definition — „Sexismus“ wurde in den letzten Tagen jedenfalls häufiger überarbeitet.

Der -ismus zeigt eine ideologische Herrschaftsform an, die geschlechtsspezifisch daher kommt und die nicht unbegründete These ist, hier üben Männer Macht über Frauen aus. Allgemeine Aussagen stimmen mit Einzelerfahrungen eben immer nur dann überein, wenn die Erfahrung des Einzelnen verallgemeinerbar wäre, was nicht in jedem Fall der Fall sein muss. Dies gilt für beide Seiten der Barrikaden.

Wenn Frau Weißband von den Piraten, hier sehen wir ein Bild ihres privaten, aber öffentlich einsehbaren, twitter-accounts,

sich als Opfer eines sexistischen Übergriffs in einer Hauptnachrichtensendung des öffentlich-rechtlichen Fernsehens präsentiert, weil die Medien sie als „schöne Piratin“ bezeichnet haben, dann verrutscht das Bild vom herrschaftsausübenden Mann. So verständlich Frau Weißbands Hoffnung auf eine Öffentlichkeit ist, in der Politik rein rational verhandelt wird, so notwendig wäre es, zunächst einmal den krassen Sexismus im Falle der „Hamburg-Mannheimer“ zu beachten. Auch für den äußeren Anlaß der aktuellen Genderdiskussion bleibt festzuhalten, dass es, wenn die FAZ die Szene an der Bar richtig wiedergibt und Frau Himmelreichs Altersdiskriminierung mit einer ebenso unpassenden Genderdiskriminierung pariert worden ist, nur der letzte Tropfen war, der das Fass zum Überlaufen brachte.

Leider werden dabei die Chancen eines gegenseitigen Verständnisses verspielt. Wer als Mann verstehen will, was Frauen unter Sexismus verstehen, der kann bei Twitter #aufschrei nachlesen und seine eigenen Handlungen überdenken und gegebenenfalls künftig korrigieren.

Die Summe diese Erlebnisberichte sind in jedem Fall ein beredtes Zeugnis, dafür, dass die stille Revolution der Gleichberechtigung von Frauen sich lautstark zu Wort meldet. Zeit wurde es!