Sie nannten sie Pumuckl

Was ist nur mit der deutschen Polizei los? Wie die Süddeutsche Zeitung berichtet, wurde kürzlich ein Fußballfan zu zwei Monaten Haft auf Bewährung sowie zu 7 Monaten Fußballentzug veruteilt, weil er — betrunken — eine Polizistin mit den Worten „Hat der Pumuckl heute auch was zu sagen?“ beleidigt hatte.

Der Pumuckl meiner Kindertage war klein, rothaarig, frech und irgendwie niedlich. Ob das alles auch auf die Polizistin zutrifft, kann ich in Ermangelung brauchbaren Bildmaterials nicht bestätigen (evtl. kann die Betroffene mit selbigem aushelfen). Eine Beleidigung, die eine Anzeige und ein solches Urteil zeitigt, mag ich hier allerdings beim besten Willen nicht zu erkennen. Einerseits sind einige Fußballfans selbst nüchtern kaum in der Lage ihren eigenen Namen auszusprechen. Andererseits wehrt sich die deutsche Polizei ja mit Händen und Füßen gegen eine Kennzeichnungspflicht ihrer Beamten. Vieleicht hätte die Frage ja dann gelautet: „Hat hat die Beamtin XYZ heute auch was zu sagen?“ und wäre damit keine Beleidigung gewesen.

Wie auch immer, ich habe ja keine Ahnung, wie es dem Rest der Leser- und Autorenschaft geht, aber ich durfte mir schon in meiner Schulzeit weitaus Schlimmeres anhören. Man möchte der Polizistin also zurufen:“Schluck’s doch einfach runter, Pumuckl!“, aber das gibt nur noch eine Anzeige.

Ähnlich verhält es sich auch mit dem inzwischen weidlich bekannten Ausspruch A.C.A.B., welcher hier nur zu Dokumentationszwecken auftaucht. War die Aussage „Soldaten sind Mörder“ ihrerzeit noch eine Kollektivbeleidigung und damit nicht strafbar, darf ich mein A.C.A.B-T-Shirt nach neuster Rechtsprechung nur noch zu Hause tragen und muss hoffen, dass nicht ein Polizist durch’s Fenster lugt und sich persönlich beleidigt fühlt.

Dabei enthält A.C.A.B. doch bei näherer Betrachtung so viel Wahrheit: Meist sind es tatsächlich die „armen Schweine“ (engl. „poor bastards“) von der Polizei, die den Kopf hinhalten müssen, die nachts bei 3°C und Regen den Verkehr regeln müssen, wenn wieder mal einer besoffen am Baum geparkt hat, die am Wochenende mit zwei Streifenwagen einen Landkeis von über 900 km² abzudecken haben, die dazwischen gehen müssen, wenn Papa mal wieder die Mama verdrischt oder wildgewordene Hooligans aufeinander losgegehen.

Das alles ist allerdings kein Grund nicht auch einmal, wie jeder andere auch, über einen blöden Spruch oder ein krudes T-Shirt/Banner hinweg zu sehen. Man muss nicht jeden, der einem schräg kommt, vor den Kadi zerren, was allerdings nicht nur für Polizisten gilt.