Tag der Arbeit oder Arbeitstag

Wer heute frei hat, der sollte es würdigen. Die, die immer frei haben, sollten sich empören.

Wie das Verhältnis von Arbeit und Einkommen zu bestimmen ist, das wäre doch ein Problem für Parteien im Wahlkampf. Der letzte Sozialdemokrat, der sich darum in Wahlkampfzeiten gekümmert hat, war Oskar Lafontaine. Die Wahl hat seinerzeit die SPD gewonnen und mit Gerhard Schröder den Kanzler der Bundesrepublik gestellt.

Bis zum Herbst ist ja noch Zeit, um ernsthaft über dieses Land zu reden und sich nicht von der CDU auf den Arm nehmen zu lassen, u.a. mit Debatten über Nebeneinkünfte, als hätte die nur der SPD-Spitzenkandidat. Also Augen auf, wenn über die Arbeitslosenzahlen gesprochen wird. Der Kampf um den Achtstundentag, war auch ein Kampf um die gleichmäßigere Verteilung der Arbeit.

Hier ein Beispiel zur Reflexion über die Arbeitslosenzahlen aus der gestrigen Spon-Ausgabe. Ein Beispiel, das zumindest irritieren sollte:

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Leere Worte 8

Neulich beim Abendessen (Montag, den 5. November) hatte ich die sehr sinnvolle Idee, mich über die Geschehnisse des Tages im „ZDF heute journal“ weiterbilden zu wollen. Löblich, aber unbefriedigend — wie sich herausstellte. Daher an dieser Stelle ein paar kurze Bemerkungen, die ich mir vom öffentlich-rechtlichen sogenannten Bildungsfernsehen angesichts der vorgestellten Inhalte wirklich gewünscht hätte:

1. Ein „Wahlkrimi“ erwartet uns die nächsten paar Tage — keiner weiß, wer „das wichtigste Amt der Welt“ erhält: Obama oder Romney. Okay, es bleibt spannend. Ich mag auch keine Prognose wagen, wobei ich bereits das Schlimmste befürchte.
(Ich gehöre zu den 91% der deutschen Bevölkerung, die Obama gerne weiter im Amt sähen, weil Romney wählen Zombies wählen hieße! Oder so ähnlich jedenfalls… Im Gegensatz zu 80% der Israeli, die gerne Romney bekommen würden, weil ein pyromanisch veranlagter Finanzjongleur — natürlich — das Beste für das Pulverfass Nahost ist! Oder so ähnlich…)
Doch zurück zum Tagesthema: Ja, klar, die Wahl bleibt spannend, Krimis sind spannend, ergo „Wahlkrimi“. Doch was hat das Öffentlich-Rechtliche neben den zwei Antagonisten vergessen? Klar, die ganzen fiesen Methoden. Zum Beispiel die, die, die (man beachte den Hinweis im orangefarben umrandeten Kästlein) oder die. Kann das bitte einmal jemand im „Bildungsfernsehen“ erwähnen? Also so richtig erwähnen? Und vielleicht in einem Satz mit Russland nennen? (Und, wo wir gerade dabei sind, kann jemand mal bitte die OSZE um Wahlbeobachter bitten? Ach ja, das hat ja schon jemand versucht, die haben quasi Hausverbot!)

2. Das Dreigestirn CDU, CSU und FDP hat sich während eines „Koalitionsgipfels“ auf drei bahnbrechende Geschenke für das Volk den Pöbel geeinigt!

  • Die leidige Praxisgebühr fällt weg! Aber was kommt eigentlich nach dem Aufbrauchen des mittels Praxisgebühr angesammelten Geldpuffers? Natürlich, der demographiegewandelte Volkskörper. Aber das geschieht ja erst nach der nächsten und übernächsten Legislaturperiode — dann hat Merkel nämlich nach Kohl’schem Vorbild nichts mehr von dem Eingebrockten auszulöffeln…
  • Eltern, die ihre Kinder zu Hause betreuen, erhalten Betreuungsgeld. Man könnte es auch als Ausrede bezeichnen, hinter der sich das gewollte Nichtstun bezüglich der Schaffung ausreichender Kitaplätze versteckt. Und die Vorteile von „home schooling“ liegen ja auf der Hand oder weshalb glauben nochmal so viele der US-Amerikaner an den lieben Weihnachtsmann? Deshalb kämpfen wir ja auch hierzulande gerade dafür! Je weniger nachgedacht und je mehr angebetet wird, desto besser für die herrschende Klasse… Oder wie erklärt man das Phänomen Romney? Doch nicht mit gesundem Menschenverstand!
  • Die „Lebensleistungsrente“ rettet unsere Rentner vor der drohenden Altersarmut! Wer weniger als 688€ Rente erhält, wird auf etwas über 688€ bezuschusst — wenn sie oder er zuvor 40 Jahre geschuftet in die Rentenkasse eingezahlt UND private Vorsorge getroffen hat! Eine aufwändigere Formulierung für „Tut uns leid, aber ihr bekommt von uns nix, geht halt betteln…“ habe ich selten gehört! Wer, liebe Regierungskoalitionsmitglieder, hat bitteschön bei dem Lohn, für den man nach 40 Jahren (wenn man diese überhaupt schafft, weil man z.B. als Akademiker ziemlich lange nur rentenbeitragsfreie Jobs hatte) weniger als 688€ aus der Rentenkasse bekommt, noch Geld übrig für eine private Vorsorge??

3. Mit der Bundesinitiative „Frühe Hilfen“ des Bundesfamilienministeriums soll auch der Einsatz von Hebammen gefördert werden. Löblicher Ansatz, Frau Schröder, aber wer möchte denn die hohen Sätze für die Berufshaftpflichtversicherung übernehmen, die derzeit für das Aussterben dieses Berufs zumindest im ländlichen Raum sorgen?

Ergebnis: Aus vielerlei Gründen hat sich einmal mehr die deprimierte Stimmung den Abendbrottisch erobert. Die Politik der gelösten Detailprobleme ist bezeichnend für unsere gesamtgesellschaftliche Situation. Anstatt dass das Große Ganze im Blick behalten wird, macht unsere Regierung im Großen und Ganzen nur noch für ihre Klientel Politik. Dahinter verbirgt sich natürlich auch ein Ziel, nämlich die Wiederwahl, aber das ist eher weniger hilfreich, wenn es um die Führung eines Staates geht! Klientel-Politik ist, ebenso natürlich, auch nicht ganz neu. Aber seit wann wird dies dermaßen offensichtlich gemacht, dass ich mich wundere, warum noch nicht mit Stammtisch-Bierflaschen auf die (mit wenigen Ausnahmen) feisten Faulen der Regierungsbank geworfen wird!?
Und von den Medien würde ich wirklich einmal einen Kommentar zur Realitätsferne bzw. zum Dummdreistverkauf des Volkes hören. Aber die sind ja auf dem zweiten Auge genauso blind (gemacht), wie es unsere derzeitigen innenpolitischen Vertreter von CDU und CSU auf dem rechten Auge sind.
Und wer hat Lust auf die Zukunft, in der es bei uns auch Wahlkrimis à la USA gibt? Keine Angst, nicht zu Muttis Zeiten — die wird alternativlos wiedergewählt — aber dann einmal, wenn auch Merkel ein Ehrenwort schützend vor ihre Verantwortlichkeiten stellt und ihr weiblicher Stern am Daniedersinken ist, ja dann haben wir auch Wahlcomputer…

PS: Es gibt ein Tief namens Zelda?! Wo liegen da eigentlich die Namensrechte? Noch bei Nintendo? Gibt es jetzt noch einen wahnsinnig sinnvollen Markenrechtsstreit?

Pussy statt Putin

Während in Deutschland die Grüne Partei in trauter Gemeinsamkeit mit Union, FDP und SPD die körperliche Kennzeichnung für männliche Juden mit einem Sonderrecht regeln will und die katholische Kirche Blasphemie wegen des Titanic-Titels im Gesetz verankern möchte, sieht man am aktuellen Urteil in Russland, wohin der Abschied vom säkularen Staat führt.

Zwei Jahre Haft klingt unfassbar viel und ist es auch. Obwohl die Pussys sich bei den Gläubigen entschuldigt hatten, hat das Gericht diese Entschuldigung nicht gewürdigt und damit gezeigt, es ging um die politische Botschaft und nicht um die Verletzung der religiösen Gefühle. Für die politische Botschaft gab es seitens der Mädchencombo keine Entschuldigung und zu Recht nicht. Auch wenn der SPD Kanzler a. d., Gerhard Schröder, Putin noch als lupenreinen Demokraten bezeichnete, kann davon für Russland keine Rede sein. Hierfür bräuchte es ein Bürger- und kein Oligarchentum, d.h. hierfür bräuchte es privates Eigentum, Rechtssicher- und Meinungsfreiheit.

Bis dahin ist der Weg weit und, ob man ihn für diese lange Zeit auf dem Rücken kleiner, verrückter und sehr schlechte Musik machender Mädchen austragen muss, mag verantworten, wer will. Es ist in jedem Fall ein Jammer.