Mehr Entlassungskandidaten

Sehr geehrter Herrr Uhl,

ob es Quantenverschränkung, Empathie oder an anderen Phänomenen liegt, kann ich nicht sagen. Jedenfalls: Immer, wenn Sie den Mund auftun, schlägt auch mir die Kinnlade auf die Tischplatte. Eventuell liegt es auch an Ihrem — mir unbegreiflichen — Demokratieverständnis.

Sie sind also der Meinung, die Entlassung des Präsidenten der Bundespolizei

ist eine persönliche Angelegenheit, und er [Innenminister Friedrich] würde einen schweren Fehler machen, wenn er jetzt Details nennen würde.

Wo kämen wir denn auch hin, wenn das Volk die Entscheidungen ihres Prinzen Innenministers hinterfragen würde.

Wieso sollte es den Souverän dieses Landes (Nein! Nicht Mutti Merkel!) interessieren, warum der Innenminister plötzlich das Vertrauen in einen derart hohen Beamten verliert. Vor allem, wenn dieser Beamte dann behauptet:

Mein Eindruck ist, dass Friedrich rechtzeitig vor der Bundestagswahl 2013 alle Führungsposten bei den deutschen Sicherheitsbehörden mit Leuten aus dem eigenen Ministerium neu besetzen will.

Sie sind also nicht der Meinung, dass Herr Friedrich, wenn er gute Gründe hat, hohen Staatsbeamten sein Vertrauen zu entziehen, diese dem Volk mitteilen sollte? Sie sind also auch der Meinung, dass ein Minister nach Gutdünken Beamte entlassen und austauschen kann ohne sich zu rechtfertigen? Selbst Leuchtfeuer der Demokratie wie Nordkorea halten es wenigstens noch für nötig einen Grund vorzuschieben, wenn sie in Ungnade gefallene Beamte entsorgen.

Nur gut, dass wir hier in der Bundesrepublik eine funktionierende Demokratie haben, die so etwas nicht nötig hat.

In diesem Sinne:
Lang lebe der „große Führer“ Friedrich und sein erster Propagandist Uhl!

Nachtrag: Auch wenn das Verhalten anscheinend, wie mir jetzt immer wieder versichert wird, tatsächlich ein ganz normaler Vorgang ist und den gängigen Gepflogenheiten entspricht, kann dies doch nicht im Sinne unserer Demokratie sein, oder?

 

Die Stunde der Ideologen

Wenn die Pussy-Riots in einer orthodoxen Kirche kreischen „Putin pisst sich in die Hose“ (3Sat, Kulturzeit), dann ist das politischer Widerstand für die Freiheit. Wenn die Titanic den Papst als nicht ganz dicht aufs Cover setzt, dann ist das dekadent (Thomas Goppel, CSU). Dekadent war übrigens auch der Terminus der SED für unliebsame Kultur und das hieß für unterdrückte Kultur.

Der umstrittene Titanic-Titel war für mich als Gelegenheitskäufer ein Grund dieses Heft nicht zu kaufen, aber eben kein Politikum. Ob man überhaupt die Persönlichkeitsrechte des Papstes verletzten kann oder nicht vielmehr, solange man ihn nicht als Herrn Ratzinger beleidigt, er diese Form der Meinungsfreiheit hinzunehmen hat, wird ein Gericht oder auch mehrere zu klären haben. Schon jetzt aber zeigen sich die Ideologen, die Wächter von Wahrheit und Moral, denen so wenig vertraut ist, wie eine republikanisch verfasste Demokratie lebendig bleibt.

p.s.: Ich geh mir dann mal doch das aktuelle Titanic-Heft holen.

Wir Demokraten, ihr Ostdeutsche!

In den letzten Jahren von 1900 bis 2000 war auf dem Gebiet Ostdeutschland gerade mal 26 Jahre Demokratie ansonsten waren da totalitäre Regime und dann kommt man zum Ergebnis, dass man sehr wohl einen Verfassungsschutz braucht, der uns Demokraten unterstützt, dass die Demokratie nicht von den Antidemokraten abgeschafft wird.

— So der CSU-Generalsekr. Alexander Dobrindt bei Günther Jauch (29.1.2012, 0:57 ff.) zu der Frage wofür man einen Verfassungsschutz braucht. —