shoppen & ficken

brachte Thomas Ostermeier Ende der 90er den Kapitalismus auf eine Grundformel, nun greift die alte Tante SPD aus dem Munde ihrer Generalsekretärin diese Formel wieder auf und kräht shoppen & wählen. Bisher galt, wähl an einem arbeitsfreien Tag, da kann Dir kein Arbeitgeber Dein demokratisches Recht rauben und, wenn das nicht reicht, dann greif zur Briefwahl. Im Konsumstress der Vorweihnachtszeit hat Frau Fahimi offensichtlich geglaubt, kauft man halt noch ’ne Partei dazu, wenn man/frau schon beim shoppen ist. Völlig aus dem Blick geraten ist der Dame aus Hannover, dass das Wahlrecht auch die demokratische Kontrolle der Wahl umfasst. Wer also noch die demokratische Kontrolle der 1989er-Wahl zur Volkskammer der DDR im Hinterkopf hat und die politische Krise, die diese auslöste als dadurch vielfacher Wahlbetrug offensichtlich wurde, der lässt sich nur ungern dieses demokratischen Instruments berauben. Die Kontrolle der Auszählung der Stimmen bei der von der SPD vorgeschlagenen Woche der Wahl im Einkaufszentrum kann jedoch kaum aufrecht erhalten werden.

Hol mal Bier, Mann!

Zur Feier des 25. Jahrestages des Mauerfalls holte der Präsident des Deutschen Bundestages, Norbert Lammert, den Gesangesbarden Biermann. Kaum ein anderer Künstler hätte dem Festakt besser zu Gesicht gestanden als dieser. Wurde doch Biermann schon 1976 auf kalten DDR-Entzug gesetzt und mit der Höchststrafe abgeurteilt, nunmehr Bundesbürger werden zu müssen. Für ihn ein harter Schicksalsschlag, den er seither ganz Profi, auf jedweder Feier nicht müde wurde zu betonen. Seltsamerweise feiern ihn hierfür Konservative. Sie wünschten ihm wohl lebenslänglich DDR. Warum Biermann sich aber mit den politischen Gefangenen der DDR solidarisiert, die beispielsweise ihren Fluchtversuch in die Bundesrepublik mit Gefängnis bezahlten, bleibt nur für ausgefuchste Dialektiker kein Rätsel. Na dann, zur Feier des übermorgigen Tages ein Bier, Mann!