Deutsche (Un)Kultur

Unter tosendem Beifall aller Stammtische (und vermutlich auch Seehofer) verfrachtet der Landshuter Landrat Flüchtlinge immerhin per Bus und nicht per Viehtransport nach Berlin zum Bundeskanzleramt, als „Zeichen […], dass es so wie bisher in der Flüchtlingspolitik nicht weitergehen kann und darf“. Ganz abgesehen davon, dass ich mir nicht sicher bin, ob der richtige Adressat für Proteste u. a. in Bezug auf den mangelnden Bau an Flüchtlingsunterkünften nicht doch eher in den Landesregierungen zu suchen wäre, zeigt diese Episode doch eines sehr deutlich: die Würde des Menschen ist stets antastbar, vor allem, wenn er keinen westlichen Pass und/oder westkonformes Aussehen hat.

Wenn der CSU-Generalsekretär Scheuer dann auch noch fordert, dass vermeintlich straffällig gewordene Asylsuchende auch ohne Prozess abgeschoben werden sollen (ja, vermeintlich, denn ohne gerichtliches Urteil gilt im Rechtsstaat immer noch die Unschuldsvermutung, ein Angeklagter kann dementsprechend erst nach einem Urteil Straftäter sein — etwas, dass Stammtisch und Regenbogenpresse häufiger mal gerne vergessen), dann ist endgültig klar, dass wir es hier mit einer Zwei-Klassen-Gesellschaft zu tun haben, die weniger mit dem finanziellen Hintergrund, denn mit einer weiterhin in Deutschland vorherrschenden Geisteshaltung zu tun haben:

Es gibt Deutsche, die nicht nur in Deutschland geboren sind, sondern auch deutsch aussehen, und es gibt alle anderen — Menschen 2. Klasse. Und demnächst wird der Begriff „Herrenmensch“ für die 1. Klasse wieder salonfähig, oder?