Jun 062015

Amos Oz hat einen Roman auf Deutsch vorgelegt, den er Judas nennt. Seit der für die aktuelle deutsche Kultur denkwürdigen Debatte um Sarrazins krude Thesen verdanken wir Leon de Winter ein Bonmot über den Zusammenhang von jüdischer Intelligenz und Fisch. Oz‘ Judas verhält sich wie eine Fischgräte, die man verschluckt hat, wenn Judas zum einzigen gläubigen Christen verklärt wird. Schließlich hätte Judas lediglich der Vorhersehung gedient, wenn er Jesus für einen ganz und gar unglaubwürdigen Betrag an die Römer verraten hätte. Jesus, den ohnehin jeder in Jerusalem gekannt hätte, sträubte sich noch seiner Bestimmung zu folgen und wäre lieber in Galiläa geblieben, weiterhin damit beschäftigt Wunder zu tun, Wunder, die ihn als Heiler auswiesen, aber eben nicht als Messias. Die Show, die Judas sich erhofft hätte, die Show bei der Jesus zur Primetime vom Kreuz zu steigen gehabt hätte, bleibt aus und damit der Beweis für die zur Kreuzigung versammelten Juden und Römer, dass Jesus der Erlöser ist. Ja, das Reich des Friedens und der Liebe ist bis heute nicht von dieser Welt, wie Oz an der Staatsgründung Israels exzemplifiziert. Seine Helden sind Gefangene der Unfähigkeit zur Liebe, der Liebe zum Nächsten, zum Anderen, zu sich selbst oder der zwischen Mann und Frau. Frieden, gar ewiger, ist ohne Liebe jedoch nicht zu haben. So bleibt der Zauber von Oz im Halse stecken und seine Geschichte eine dieser Geschichten, die man sich in Jerusalem zu tausenden erzählt.

Rom

rostock

Auf der Suche nach Zeichen für den sicheren Weltuntergang oder genauer gesagt für dessen ungefähres Eintreffen muss man auf etwas kommen, das sich berechnen lässt. Ansonsten verweigert sich dieses Argument in unserer technisierten Welt dem wichtigsten sozial bestimmten Kriterium der Berechenbarkeit. Wollen wir doch noch in der ausweglosesten Lage wenigstens wissen, wie viele Schutzanzüge noch mit welchem Gewinn bis dahin zu verkaufen sein könnten. Und wer weiß, vielleicht reist man in den Untergang erster Klasse. Hier nun die Formel: Man berechne die Verbreitung von Kuscheltierabbildern in ihrem Verhältnis zur Dynamik des Aussterbens ihrer natürlichen Vorbilder im Reallife. Ist doch einfach. Hinweise auf weitere Indikatoren sind willkommen.

 

Pandalegebatterien

Mrz 262014

Normalerweise bin ich ein sehr toleranter Mensch, der durchaus versteht, dass Sachen auch mal schief gehen können. Dann denk ich mir „Jo, das passiert halt mal“ und das Leben geht weiter. Doch manchmal – wie im folgenden Fall – reißt der Geduldsfaden. Beim zweiten Mal ist es kein Versehen, kein Zufall. Beim zweiten Mal ist es Unfähigkeit.

Vor gut sechs Monaten hab ich bei real,- im Onlineshop den Abfalltrenner meiner Träume gesehen. Ein Wesco Push Boy Two, um ganz genau zu sein. Und das zu einem unschlagbaren Preis. Also, nicht lang gewartet, ab damit in den virtuellen Warenkorb und ab zur virtuellen Kasse. Keine Ahnung, ob dieser Online-Shop gerade einen Depri-Anfall hatte, aber dieser sonst doch recht übersichtliche Vorgang hat geschlagene 45 Minuten gedauert. Jeder Seitenaufbau wurde mehrfach unterbrochen, weil der Server nicht erreichbar war. Es überrascht also nicht, dass ich sehr stolz war, nach eben diesen 45 Minuten meinen Traummülleimer erstanden zu haben – dachte ich. Die Eingangsbestätigung der Bestellung erhielt ich automatisch. Doch dann passierte…nichts. Erst eine Woche später erhalte ich eine E-Mail mit dem Hinweis, dass meine Ware doch nicht so schnell geliefert werden kann, wie angegeben worden war. Ach ne, echt? Ok, es sollte also noch dauern. Gut, wenigstens wusste ich dann Bescheid. Tja, wieder falsch gedacht. Am nächsten Tag dann die Mail, dass der Abfalltrenner nicht lieferbar ist und eigentlich auch nie war. Oh, wie schmerzlich! Und um Salz in die offene Wunde zu streuen, folgte einen weiteren Tag später eine weitere Mail vom Kundenservice persönlich, in der das selbe stand. Bitter, bitter!

Wie gesagt, so was kann mal passieren. Vergeben und vergessen! Der Kundendienst hat bestimmt Konsequenzen gezogen und die Lagerbestandsanzeige im Online-Shop überprüft. Beim nächsten Mal wird sicher alles besser!

Das nächste Mal war letzte Woche. Immer noch auf der Jagd nach dem idealen Küchenmülleimer, bin ich wieder bei real,- gelandet. Diesmal habe ich besonders darauf geachtet: lieferbar – ja! Super! Endlich! Also, alles auf Anfang: bestellt (diesmal ganz ohne Seitenabstürze), bezahlt und Bestellbestätigung erhalten. Soweit so gut! Doch, was soll ich sagen, nach drei Tagen wieder die ominöse Mail, dass der Artikel nicht lieferbar ist. Argh! Das darf doch wohl nicht wahr sein!

Und der Satz

Wir entschuldigen uns vielmals für die entstandenen Unannehmlichkeiten und empfehlen Ihnen regelmäßig im real,- Onlineshop vorbei zu schauen!

ist ja wohl der volle Hohn. Dazu sage ich: Nein, bestimmt nicht. Nie wieder!

 

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