Fanboy* Awards

Offiziell heißen sie People’s Choice Awards, kurz PCA. Gestern Abend versammelten sich, wie in jedem Jahr seit 1975, die Schönen und Erfolgreichen aus Kino, Fernsehen und dem Musikgeschäft in LA um sich feiern zu lassen. Im Gegensatz zu den Globes, Grammys und Oscars, hat bei dieser Preisverleihung der Zuschauer das Stimmrecht. Online Voting heißt das Zauberwort. Und so können auch Anhänger im fernen Deutschland für ihre Fernseh- und Kinohelden abstimmen –  auch wenn vieles von dem, was da zur Auswahl steht, hierzulande (noch) gar nicht läuft.
Und da jeder, wirklich jeder, so oft abstimmen kann wie er möchte, waren auch die Nominierten selbst seit gefühlten Monaten auf Stimmenfang. Ähnlich wie bei der gerade über die Bühne gegangene Präsidentschaftswahlt, mussten sie die Werbetrommel für sich, ihre Show/ ihren Film oder für den/die BFF rühren. Dabei helfen nicht zuletzt die neuen Medien à la Twitter und Facebook. Es werden nämlich auch alle tweets mit den #hashtags PCA und den Namen der Shows/Schauspieler gewertet. Da gewinnt natürlich, wer die härtesten Fans hat – echte Fanboys und Fangirls halt. Manche berichten darüber, dass sie tausendfach abgestimmt, hundertfach „retweeted“ und dadurch ihre Favoriten  ganz oben „trenden“. Hach ja, schöne neue Welt.
Aber ganz ehrlich, wen wundert es da, dass The Big Bang Theory – die Nerd-Show schlechthin –  wieder einen PCA abgestaubt hat? Ich meine, unter den echten Fans dieser Show gibt es garantiert einige, die ein Stück Programmcode zur mehrfachen Stimmabgabe geschrieben haben (könnten).
Am Ende gewinnen also die Künstler mit den besten/meisten Fans! Für qualitativere Aspekte gibt es ja immer noch die anderen, peer-reviewed Awards mit ihren „Experten-Jurys“.

Die Saison ist eröffnet!

PS: Golden Globes am Sonntag, 13.01.2013 live im deutschen Fernsehn!

*Erläuterung des Begriffs „Fanboy“ bitte hier nachlesen!

Feministische Filme (4): Dirt in the Skirt

Der Film heißt natürlich nicht „Dirt in the Skirt“, obwohl es durchaus ein passender Titel wäre. Aber das ist nur der Slogan der „Racine Belles“, einer Frauen-Baseball-Manschaft.

Ich hatte ihn fast vergessen, diesen Film. Aber nur fast, irgendwo im DVD-Regal stand er schon seit Jahren bereit wiederentdeckt zu werden. Doch erst jetzt – es wird mal wieder Zeit für einen Beitrag in unserer Reihe „Feministische Filme“ –  hab ich ihn entstaubt. Es ist ein Baseballfilm, ein sehr feministischer Baseballfilm. Ja, so etwas gibt es. Und zwar bereits seit 20 Jahren. „Eine Klasse für sich“, bzw. „A League of their own“, heißt dieser Streifen und stammt aus dem Jahre 1992. Erinnert sich noch jemand? Wahrscheinlich nicht. Mir war er nur aufgefallen, als er irgendwann im Spätprogramm der privaten Sender lief. Und als er dann in der Grabbelkiste lag, musste ich ihn einfach kaufen.

Wie schon erwähnt, geht es um Baseball. Dieses uramerikanischste aller Spiele erfreut sich noch heute größter Beliebtheit. Aber seien wir ehrlich. Welcher normale Kontinentaleuropäer kennt die Regeln? Ich jedefalls nicht. Aber das muss man auch nicht. Hauptsache es sieht gut aus. Genau darum geht es auch im Film. Während die Männer im 2. Weltkrieg an der Front in Europa kämpfen, kämpft die Major Baseball League an der Heimatfront mit Spielermangel. Kurzerhand wird eine professionelle Frauenliga aus dem Boden gestampft. Scouts durchkämmen Kuhställe und Tanzbars in ganz Amerika um die Besten und gutaussehensten zu finden. In 16 Teams sollen sie in kurzen Kleidchen und mit gefeilten Nägeln den Menschen was fürs Auge bieten. Dass die Mädels wirklich Ball spielen können, fällt dabei erst allmählich auf.

Eine Klasse für sich!

Eine unglaubliche Geena Davis und die entzückende Lori Petty begeistern ebenso wie Tom Hanks als gefallener Homerun-Star und Madonna als All-the-way-Mae. Und was wären gute Filme ohne witzige Dialoge? Und was wären Emmanzenfilme ohne Machos? Hier ein paar der härtesten Sprüche des Scouts:

Hey, cowgirls! See the grass? Don’t eat it!

Oder:

You know, if I had your job, I’d kill myself. Sit here I’ll see if I can dig up a pistol.

Oder auch dieser Dialog mit einer Dame, der er etwas dicht auf die Pelle rückt:

Sie: Sir, your knee!     Er: Like it?

Eine eigentlich rührende Abschiedsszene am Bahnhof zwischen Vater und Tochter wird dagegen mit diesen Worten kommentiert:

See, how it works is, the train moves, not the station.

Aber nicht nur die Herren der Schöpfung haben’s drauf, auch die Gesellschaftsdamen, die aus den Baseballmädels echte Ladies machen sollen, nehmen kein Blatt vor den Mund. Zu den ersten Verschönerungsvorschlägen für die Spielerinnen gehören zum Beispiel Ratschläge, wie:

The eyebrows. Thin and seperate. There should be two!

Gegenüber der schlagkräftigen, aber nicht ganz schönheitsidealen Marla wird es dann ganz fies:

What do you suggest? A lot of night games!

Oh, und was nachher kommt, ist noch so viel mehr! Schon allein dafür lohnt es sich, den Film zu sehen. Das schöne daran ist außerdem der wahre Kern der Geschichte. Die professionelle Baseballliga gab und gibt es tatsächlich. Wer mehr über die echten Baseball-Spielerinnen erfahren möchte, kann sich auf der offiziellen Seite der All-American Girls Professional Baseball League informieren!