auf den kleinsten gemeinsamen Nenner gebracht, stellt sie die Einzelnen in gegenseitiger Verantwortung zueinander auf, sie sichert die Freiheit des Einzelnen in der Freiheit aller. Dafür braucht es so etwas wie einen Staat, dem alle unterworfen sind und den sich alle unterwerfen können, ergo Staatsgrenzen bzw. ein Geltungsbereich der Gesetze.

Dies sieht nach Wahl aus, und diese haben zur Zeit gerade Türken in der Bundesrepublik gehabt, um über das Leben ihrer Verwandten in der Türkei zu bestimmen.

Was jetzt kommt, ist leider kein Karton, sondern ein Beispiel:

Zwar bin ich ein entschiedener Gegner der Todesstrafe, ich halte den Job des Henkers für unzumutbar und vermute ganz generell, dass wir Menschen uns öfter irren als uns lieb ist. Zu Unrecht verhängte Gefängnisstrafen lassen sich korrigieren, eine Todesstrafe jedoch nicht. Wäre ein Henker in diesem Fall eigentlich ein Mörder? Nur mal so nebenbei gefragt. Aber eine Todesstrafe verstößt nicht prinzipiell gegen die Demokratie, wenn die Gesetze denn demokratisch zustande gekommen sind.

Also kann man als Türke für die Todesstrafe sein, ohne sich mit dem Vorwurf konfrontiert sehen zu müssen, ein Feind der Demokratie zu sein. Aber Bitte, dann doch nicht nur für die daheim gebliebenen Verwandten. Soviel Feigheit geht nicht. Wer für eine Präsidialdiktatur mit Todesstrafe ist, der muss sich auch unter die Herrschaft dieses Gesetzes begeben.*

 

*Gemerkt, ich bin für die Staatsbürgerschaft eines Staates. Entscheidet Euch spätestens bei voller Strafmündigkeit. Wer aus folkloristischen Gründen die nordkoreanische, us-amerikanische, chinesische oder türkische Staatsbürgerschaft als doppelten Boden braucht, sollte sich fragen, warum er seine demokratischen Entscheidungen nicht verantworten mag.

Mrz 022016

Decomafia

Jun 062015

Amos Oz hat einen Roman auf Deutsch vorgelegt, den er Judas nennt. Seit der für die aktuelle deutsche Kultur denkwürdigen Debatte um Sarrazins krude Thesen verdanken wir Leon de Winter ein Bonmot über den Zusammenhang von jüdischer Intelligenz und Fisch. Oz‘ Judas verhält sich wie eine Fischgräte, die man verschluckt hat, wenn Judas zum einzigen gläubigen Christen verklärt wird. Schließlich hätte Judas lediglich der Vorhersehung gedient, wenn er Jesus für einen ganz und gar unglaubwürdigen Betrag an die Römer verraten hätte. Jesus, den ohnehin jeder in Jerusalem gekannt hätte, sträubte sich noch seiner Bestimmung zu folgen und wäre lieber in Galiläa geblieben, weiterhin damit beschäftigt Wunder zu tun, Wunder, die ihn als Heiler auswiesen, aber eben nicht als Messias. Die Show, die Judas sich erhofft hätte, die Show bei der Jesus zur Primetime vom Kreuz zu steigen gehabt hätte, bleibt aus und damit der Beweis für die zur Kreuzigung versammelten Juden und Römer, dass Jesus der Erlöser ist. Ja, das Reich des Friedens und der Liebe ist bis heute nicht von dieser Welt, wie Oz an der Staatsgründung Israels exzemplifiziert. Seine Helden sind Gefangene der Unfähigkeit zur Liebe, der Liebe zum Nächsten, zum Anderen, zu sich selbst oder der zwischen Mann und Frau. Frieden, gar ewiger, ist ohne Liebe jedoch nicht zu haben. So bleibt der Zauber von Oz im Halse stecken und seine Geschichte eine dieser Geschichten, die man sich in Jerusalem zu tausenden erzählt.

Rom

Wer Lieblingsbands hat, der geht gern unter Leute um in Emphase zu ertrinken. Die Anwesenheit der Anderen rechtfertigt dies jedoch nicht, denn bei aller Sympathie zur Musik, gibt es natürlich viele andere Gründe ein Konzert zu besuchen. Manch einer will seinem Geschlechtspartner demonstrieren, dass er noch zu ganz anderen Verdrängungsleistungen im Stande ist, als zu den in der Beziehung immer wieder gern angemahnten. Wer also später kommt, sich aber den Weg nach vorne bahnt, kann auch zwischen drin immer noch mal Bier holen, weil die auf Umstehende verteilte Menge Getränk, den eigenen Durst nicht löscht. Der eine oder andere mag auch Körperkontaktkarate beherrschen und ist so für sein arrhythmisches Gebaren entschuldigt, ebenso die kleinen Mädchen, die bauartbedingt auf 78 laufen und 33 nicht können. Ganz generell beweist sich, dass Deutsche besser marschieren können als tanzen, so dass zu allem was mehr als einen Beat hat, gepogt wird. Hierzu passt denn auch die Beschalllungstechnik in Sachsens Hauptstadt, die arcade fire auf germanische Mythologie trimmte. Donars Donnerhall versetzte das Publikum in Ekstase. Anders wäre es auch nicht auszuhalten gewesen. Eigentlich machen die ja gute Musik, die in einem Konzerthaus gut aufgehoben wäre, aber der Mammon schwemmt bei ausgefüllten Plätzen mehr Geld in die Kassen. Lediglich versteckte Fallen aus Anfangstagen, wie die Kindergeburtstagskonfettikanonen am Ende des Konzerts, erinnerte daran, hier ist eine große Spassbänd auf der Bühne.

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