Wenige Stunden nachdem die CDUCSUSPD im Deutschen Bundestag ein Gesetz verabschiedet hat, das jeden privaten Computer, jedes private Telefon zu einer Überwachungswanze machen kann, hält die SPD einen Wahlparteitag ab, mit dem sie gegen sich selbst zur Wahl antritt, beschloss sie doch ein Wahlprogramm, das sich gegen das gerade von ihr mitverabschiedete Gesetz wendet. Zeitgleich führt eine der größten Social-Media-Plattformen, twitter, Zensur ein. Dabei will die CDUCSUSPD erst in den nächsten Tagen das Zensurgesetz beschließen. Die Behauptung der regierenden CDUCSUSPD ist, dass nur strafbewehrte Inhalte von den Plattformbetreibern auf Antrag gelöscht werden würden. Freilich galt bisher in der Demokratie, wenn kein rechtskräftiges Urteil vorliegt, kein Richter einen Vorbehalt formuliert, dann handelt es sich auch nicht um derartige Handlungen. Jetzt aber entscheiden die Papierhersteller, was auf ihnen gedruckt werden darf und was nicht.

Auch der Twitter-Account zu diesem Blog ist von Twitter gebannt worden. Also ein amerikanisches Unternehmen meint, dieses Blog gehört auf den Index. Künftige Einreisegespräche in die USA können dann auch mit einer Adhoc-Ablehnung, die nicht begründet werden wird, enden. Die Algorithmen der Überwachung werden sich zwischen Staat und Privatwirtschaft nicht so groß unterscheiden. Twitter hat die Betroffenen nicht informiert und keine Begründung für die Einschränkung abgegeben. So sieht also die Zukunft aus.

shadow

Zensur und Meinungsfreiheit sind seither im Todestanz vereint.  Hier vermutet man schon gezielte politische Bevormundung:

Kommen wir zur Eingangsbemerkung zurück. Twitter ist ja Privatwirtschaft, wobei man darüber streiten kann, wer die Infrastruktur für den Betrieb bereitstellt, aber der Staat hat sich ein Hintertürchen eingebaut. Während die Nutzer von Siri und Alexa sich darauf einstellen müssen, dass diese in Familienangelegenheiten mitreden wollen, kann dies der Staat schon lange. Politisch oder kulturell unliebsames kommentieren dann die Gadgets mit. Gerade stürmt die Medien ein abgehörtes Gespräch des Ministerpräsidenten von Baden-Württemberg. Immerhin haben Medien Juristen, die sollten wissen, dass abgehörte Gespräche nicht öffentlich debattiert gehören.

Während die Überwachung der Bürger massiv ausgebaut wird, will die frisch gewählte Regierung in NRW mit den Stimmen von CDU/FDP/AfD die Kontrollmöglichkeit der Exekutive abschaffen.

Gegen die Überwachungsstaatsgesetze stimmten bisher im Deutschen Bundestag die FDP, Die Grünen und die Linke, die Piraten durften ja nicht, ach, und das Bundesverfassungsgericht hat die Gesetze zurückgewiesen. Schade, wenn die Feinde der Verfassung in der Regierung sitzen. Aber wir haben sie ja gewählt.

Es ließe sich ändern, wenn im September neu gewählt wird.

Apr 212017

Über Plakate in Zeiten des Wahlkampfes ist hier schon berichtet worden und über gelegentliches Unbehagen an der zur Schau gestellten Unwissenheit auch, aber der aktuelle Wahlkampf in S/H toppt da einiges. So wirbt auch die F.D.P. mit

Wollen reicht nicht. Man muss es auch können.

Aber kann es die SPD?

Die will mehr Gerechtigkeit. Ich dachte ja immer, Gerechtigkeit ist, wenn es für Alle ist. Also mehr Gerechtigkeit ginge dann nicht. Aber bei der SPD geht das. Die machen uns alle. Ob auf der Plakatrückseite steht, in welchen Belangen die SPD Gerechtigkeitsdefizite sieht? 

auf den kleinsten gemeinsamen Nenner gebracht, stellt sie die Einzelnen in gegenseitiger Verantwortung zueinander auf, sie sichert die Freiheit des Einzelnen in der Freiheit aller. Dafür braucht es so etwas wie einen Staat, dem alle unterworfen sind und den sich alle unterwerfen können, ergo Staatsgrenzen bzw. ein Geltungsbereich der Gesetze.

Dies sieht nach Wahl aus, und diese haben zur Zeit gerade Türken in der Bundesrepublik gehabt, um über das Leben ihrer Verwandten in der Türkei zu bestimmen.

Was jetzt kommt, ist leider kein Karton, sondern ein Beispiel:

Zwar bin ich ein entschiedener Gegner der Todesstrafe, ich halte den Job des Henkers für unzumutbar und vermute ganz generell, dass wir Menschen uns öfter irren als uns lieb ist. Zu Unrecht verhängte Gefängnisstrafen lassen sich korrigieren, eine Todesstrafe jedoch nicht. Wäre ein Henker in diesem Fall eigentlich ein Mörder? Nur mal so nebenbei gefragt. Aber eine Todesstrafe verstößt nicht prinzipiell gegen die Demokratie, wenn die Gesetze denn demokratisch zustande gekommen sind.

Also kann man als Türke für die Todesstrafe sein, ohne sich mit dem Vorwurf konfrontiert sehen zu müssen, ein Feind der Demokratie zu sein. Aber Bitte, dann doch nicht nur für die daheim gebliebenen Verwandten. Soviel Feigheit geht nicht. Wer für eine Präsidialdiktatur mit Todesstrafe ist, der muss sich auch unter die Herrschaft dieses Gesetzes begeben.*

 

*Gemerkt, ich bin für die Staatsbürgerschaft eines Staates. Entscheidet Euch spätestens bei voller Strafmündigkeit. Wer aus folkloristischen Gründen die nordkoreanische, us-amerikanische, chinesische oder türkische Staatsbürgerschaft als doppelten Boden braucht, sollte sich fragen, warum er seine demokratischen Entscheidungen nicht verantworten mag.

Seit längerem nimmt ein Kampf Fahrt auf, und zwar der um die Kontrolle der wirtschaftlichen Verwertung des Internets. Hierzu sollen Verkehrsregeln geschaffen werden, die die Verwertung des Einzelnen gewinnbringend erlauben.

Soziale Medien leben von der Mitwirkung Vieler. Es lohnt sich also hier normierend einzugreifen. Außerdem äußern sich die Mitwirkenden nicht nur politisch-kulturell, was allein eine Menge Informationen für den sozial vermessenen Menschen bietet, sondern die Mitwirkenden zeigen sich zugleich mit ihren Gewohnheiten, sprich ihrer ganzen Lebensweise. Dazu gehören Informationen über die Uhrzeit der Kommunikation, den Aufenthaltsort, häufig sämtliche soziale Netzwerke via Adressbuch, und, und und. Normiert man die Erzählungen der eigenen Lebensweise, greift der Machthaber aber in die Lebensweise der Einzelnen ein.

Für die Personenbeschreibungen, z.T. Selbstbeschreibungen, (Daten) interessieren sich klassische Ordnungsinstitutionen, wie Polizei und Geheimdienste, und eben die Globalplayer der Marktwirtschaft, z.B. klassische Medien, die sich modernisieren. Letztere denunzieren länger schon die Sozialen Medien als inkompetent und sehen sich seit kurzem mit dem Vorwurf der Lügenpresse konfrontiert. Ganz so als könnte man Kommunikation generell auf Wahrheit umstellen.

Einen traurigen Höhepunkt dieser Entwicklung stellt das sogenannte Leistungsschutzrecht da, das uns ausgerechnet der Springerkonzern beschert hat, dessen Bild in der Ökonomie der Aufmerksamkeit auf sexualisierte Desinformation setzt. Andere Blätter des Konzerns versuchen es dann auch schon einmal mit Analysen, und zwar mit Analysen die Politikern einreden, das die Bürger sich mittels Internet falsch informierten und daraufhin falsche Wahlentscheidungen träfen (Welt am Sonntag, Nr. 47, S. 8 unten). Vor dem Internetzeitalter las der Bürger noch Bild und wählte CDU (meistens). 

Die um ihre Wahlsiege bangenden Politiker, wollen den Bürger aber jetzt für- und vorsorglich ‚unmanipuliert‘ seine Wahlentscheidung treffen lassen. Soziale Medien seien, so Volker Kauder, seines Zeichens Vorsitzender der CDU-CSU-Fraktion im Deutschen Bundestag, zu Hass-Plattformen verkommen. Solche Ansichten werden dann auch schon einmal Querbeet durch politische Parteiungen hindurch geäußert. Doch ist diese Beschreibung hinreichend?

Soziale Medien sind Multiplikatoren und bedrohen daher klassische Medien. Ihre Reichweite ist quasi unbegrenzt und erlaubt Kundenakkumulation von bisher unbekanntem Ausmaß. Wer sich in Berlin auf den Alexanderplatz stellt, begegnet auch Kriminellen, Wählern aller politischen Couleur, radikalen Veganer und Islamisten sowie einer Reihe von sympathischen Menschen. Je nach Präferenz sucht sich ein jeder seinen Gesprächspartner. Kurz: Wer Hass sät, wird Hass ernten und wer Hass sucht, wird Hass finden. Dies ist jedoch ein gutes Zeichen, denn es zeigt den in seiner Meinungsäußerung freien Menschen, ob er den jeweils anderen nun für dumm hält oder nicht. 

Der CDU/CSU/SPD ist dies jedoch suspekt. KauderMaasGabrielMerkel wollen hier Ordnung stiften. In der wichtigsten parlamentarische Debatte, der Haushaltsdebatte, forderte die Bundeskanzlerin in der letzten Woche hier Regeln. Nur was hat dies mit dem Haushalt zu tun? Offensichtlich geht es um eine Liaison aus Wirtschaft, Politik und Moral. Vorgenannte wissen was falsche und was richtige Nachrichten sind und wie man diese Daten kontrolliert. Hoppla Deutschland, da ist er wieder, der vormundschaftliche Staat.

Was diese Politiker angeblich kritisieren, wollen sie eigentlich für sich, die Technik der Manipulation. Mit ihnen im Bunde sind Medienkonzerne wie Springer. Wie solche Instrumente zur ‚richtigen Berichterstattung‘ bzw. Schaltung von Werbung funktionieren, stand schon einmal im Blog der FAZ. Sprechend ist die wissenschaftliche Unterfütterung in der Welt am Sonntag, Nr. 47, S. 9 oben. Hier wird Professor Dr. Jürgen Pfeffer wie folgt präsentiert: „der amerikanische Wahlkampf (Trump versus Clinton) und sein Ausgang hätten ganz sicher gezeigt – auch wenn er dafür keine empirischen Beweise habe…“ Vermutlich ist das, dieses postfaktische Zeitalter von dem alle reden.

Klassische Medien werden sich darauf einstellen müssen, wenn sie nicht besser sind als diese Meinungsbots in den sozialen Medien, dass sie untergehen. Wer Informationen sucht, wird auch weiterhin zu den Qualitätsmedien greifen. 

ps Google-Ads, nur mal an den Autoren (Krsto Lazarevic) der Welt am Sonntag, Nr. 47, S. 8 unten, sorgt nicht dafür, dass Google für Klicks zahlt, sondern dafür, dass Google Geld prozentual weiterreicht. Google holt sich dies Geld bei jenen, die die Werbung schalten.

pps Als Antwort an Volker Kauder: Straftaten von Einzelnen in den sozialen Netzwerken sind strafbar und werden schon jetzt strafverfolgt. Und das ist auch gut so. Aber es sollten nicht die Hersteller des Papiers verklagt werden, auf dem eine Beleidigung steht.

Abblättern

© 2013 Generatoren