Kapital, Moral und Politik

Seit längerem nimmt ein Kampf Fahrt auf, und zwar der um die Kontrolle der wirtschaftlichen Verwertung des Internets. Hierzu sollen Verkehrsregeln geschaffen werden, die die Verwertung des Einzelnen gewinnbringend erlauben.

Soziale Medien leben von der Mitwirkung Vieler. Es lohnt sich also hier normierend einzugreifen. Außerdem äußern sich die Mitwirkenden nicht nur politisch-kulturell, was allein eine Menge Informationen für den sozial vermessenen Menschen bietet, sondern die Mitwirkenden zeigen sich zugleich mit ihren Gewohnheiten, sprich ihrer ganzen Lebensweise. Dazu gehören Informationen über die Uhrzeit der Kommunikation, den Aufenthaltsort, häufig sämtliche soziale Netzwerke via Adressbuch, und, und und. Normiert man die Erzählungen der eigenen Lebensweise, greift der Machthaber aber in die Lebensweise der Einzelnen ein.

Für die Personenbeschreibungen, z.T. Selbstbeschreibungen, (Daten) interessieren sich klassische Ordnungsinstitutionen, wie Polizei und Geheimdienste, und eben die Globalplayer der Marktwirtschaft, z.B. klassische Medien, die sich modernisieren. Letztere denunzieren länger schon die Sozialen Medien als inkompetent und sehen sich seit kurzem mit dem Vorwurf der Lügenpresse konfrontiert. Ganz so als könnte man Kommunikation generell auf Wahrheit umstellen.

Einen traurigen Höhepunkt dieser Entwicklung stellt das sogenannte Leistungsschutzrecht da, das uns ausgerechnet der Springerkonzern beschert hat, dessen Bild in der Ökonomie der Aufmerksamkeit auf sexualisierte Desinformation setzt. Andere Blätter des Konzerns versuchen es dann auch schon einmal mit Analysen, und zwar mit Analysen die Politikern einreden, das die Bürger sich mittels Internet falsch informierten und daraufhin falsche Wahlentscheidungen träfen (Welt am Sonntag, Nr. 47, S. 8 unten). Vor dem Internetzeitalter las der Bürger noch Bild und wählte CDU (meistens). 

Die um ihre Wahlsiege bangenden Politiker, wollen den Bürger aber jetzt für- und vorsorglich ‚unmanipuliert‘ seine Wahlentscheidung treffen lassen. Soziale Medien seien, so Volker Kauder, seines Zeichens Vorsitzender der CDU-CSU-Fraktion im Deutschen Bundestag, zu Hass-Plattformen verkommen. Solche Ansichten werden dann auch schon einmal Querbeet durch politische Parteiungen hindurch geäußert. Doch ist diese Beschreibung hinreichend?

Soziale Medien sind Multiplikatoren und bedrohen daher klassische Medien. Ihre Reichweite ist quasi unbegrenzt und erlaubt Kundenakkumulation von bisher unbekanntem Ausmaß. Wer sich in Berlin auf den Alexanderplatz stellt, begegnet auch Kriminellen, Wählern aller politischen Couleur, radikalen Veganer und Islamisten sowie einer Reihe von sympathischen Menschen. Je nach Präferenz sucht sich ein jeder seinen Gesprächspartner. Kurz: Wer Hass sät, wird Hass ernten und wer Hass sucht, wird Hass finden. Dies ist jedoch ein gutes Zeichen, denn es zeigt den in seiner Meinungsäußerung freien Menschen, ob er den jeweils anderen nun für dumm hält oder nicht. 

Der CDU/CSU/SPD ist dies jedoch suspekt. KauderMaasGabrielMerkel wollen hier Ordnung stiften. In der wichtigsten parlamentarische Debatte, der Haushaltsdebatte, forderte die Bundeskanzlerin in der letzten Woche hier Regeln. Nur was hat dies mit dem Haushalt zu tun? Offensichtlich geht es um eine Liaison aus Wirtschaft, Politik und Moral. Vorgenannte wissen was falsche und was richtige Nachrichten sind und wie man diese Daten kontrolliert. Hoppla Deutschland, da ist er wieder, der vormundschaftliche Staat.

Was diese Politiker angeblich kritisieren, wollen sie eigentlich für sich, die Technik der Manipulation. Mit ihnen im Bunde sind Medienkonzerne wie Springer. Wie solche Instrumente zur ‚richtigen Berichterstattung‘ bzw. Schaltung von Werbung funktionieren, stand schon einmal im Blog der FAZ. Sprechend ist die wissenschaftliche Unterfütterung in der Welt am Sonntag, Nr. 47, S. 9 oben. Hier wird Professor Dr. Jürgen Pfeffer wie folgt präsentiert: „der amerikanische Wahlkampf (Trump versus Clinton) und sein Ausgang hätten ganz sicher gezeigt – auch wenn er dafür keine empirischen Beweise habe…“ Vermutlich ist das, dieses postfaktische Zeitalter von dem alle reden.

Klassische Medien werden sich darauf einstellen müssen, wenn sie nicht besser sind als diese Meinungsbots in den sozialen Medien, dass sie untergehen. Wer Informationen sucht, wird auch weiterhin zu den Qualitätsmedien greifen. 

ps Google-Ads, nur mal an den Autoren (Krsto Lazarevic) der Welt am Sonntag, Nr. 47, S. 8 unten, sorgt nicht dafür, dass Google für Klicks zahlt, sondern dafür, dass Google Geld prozentual weiterreicht. Google holt sich dies Geld bei jenen, die die Werbung schalten.

pps Als Antwort an Volker Kauder: Straftaten von Einzelnen in den sozialen Netzwerken sind strafbar und werden schon jetzt strafverfolgt. Und das ist auch gut so. Aber es sollten nicht die Hersteller des Papiers verklagt werden, auf dem eine Beleidigung steht.

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Leinenzwang

Land Straße

Auf unserem Honigglas steht „Honig … von freifliegenden Bienen“. Seither frage ich mich, ob man mit nicht freifliegenden Bienen an der Leine Gassi gehen muss und ob sie Halsbänder mögen oder doch lieber ein Geschirr tragen möchten. Fragen über Fragen.

Das Schweigen der…

Unser aller Kanzlerin lässt durch den Regierungssprecher erklären, sie schäme sich*.

Kann eine Regierung sich schämen oder sollte sie handeln? Kann man sich durch Dritte über seine eigenen Gefühle erklären lassen oder sollte eine Gesellschaft zu politisch verantwortlichem Handeln im Stande sein? Zunehmend verstecken sich Politiker hinter ihren vermeintlichen oder tatsächlichen Gefühlen, Gefühlen, die durch Ghostwriter vor ihrer Veröffentlichung auf Massenstimmungstauglichkeit hin geprüft werden, aber das Argument, das gemeinschaftlich überprüft werden kann und daher immer schon die Integration des Anderen mitdenkt, kommt der Demokratie abhanden. Redet über politisches Handeln, nicht über Angst, über Sehnsucht, redet als sei das Leben eine Sache die am Herzen liegt, aber eben nicht das Leben selbst. Seid verantwortlich!

 

 

*wegen rechtem Mob gegen Flüchtlinge in Heidenau.