Zeichen-Kunst

ASCII-Signatur-Männchen

ASCII-Art begegnete uns in der guten alten Zeit des Internets zumeist in Form von ellenlangen E-Mail-Signaturen, einmal gelesen und dann geflissentlich ignoriert. Heute, in Zeiten des multimedialen, bunt bebilderten Netzes, sind solche Signaturen schon Ausdruck des Vorsintflutlichen — zumindest kommt es einem so vor.

Ganz falsch ist diese zeitliche Zuordnung nicht, gab es doch schon vor den digitalen Buchstaben-Bildchen-Bastlern Geduldige, die diese analog per Schreibmaschine zu Papier brachten. Die hier abgebildete Eulenkette ist zum Beispiel einer Zeitschrift von 1948 (Popular Mechanics: Keyboard Art) entnommen.

Schreibmaschinen-Eulen

Heute ist der ASCII-Text nicht unbedingt ausgestorben, aber Buchstaben, Ziffern und Symbole sind längst nicht mehr auf 7-Bit-Zeichenkodierung und 128 Zeichen beschränkt, wie der American Standard Code for Information Interchange es einmal war. Heutige Typo-Art nutzt zudem nicht nur nichtproportionale Schriften, also solche mit Zeichen gleicher Breite wie die bekannte „Courier“, sondern die ganze Bandbreite an kleinen, großen, dicken, dünnen, serifenlosen und serifierten proportionalen oder nichtproportionalen Schriftarten. Die Ergebnisse werden komplexer, organischer, mehrdimensionaler.

Typen-Spiel

Netz-Wettbewerbe für die inzwischen als „geeky“ geltende ASCII-Art führen aber vor, dass auch im herkömmlichen Satz von Zeichen durchaus künstlerisches Potential liegt.

The Creation of Adam

Abgesehen davon hat eine ganz eigene Szene die ASCII-Art als Markenzeichen entdeckt und bis heute als Hommage an die gute alte Zeit beibehalten: Die Warez-Szene hat ihren Software-Schwarzkopien seit jeher gerne Dateien mit Installationsanweisungen, Seriennummern u.ä. beigeben. Diese sogenannten NFOs, abgeleitet von der für Info stehenden Dateiendung .nfo, schmück(t)en sie zumeist mit ASCII-Art. Kommt hierbei erweiterter ASCII-Code zum Einsatz, helfen NFO-Viewer beim Anschauen der im normalen Texteditor recht seltsam anmutenden Zeichen-Zusammenballungen und interpretieren den Zeichensalat. Heraus kommen Darstellungen in verschiedenen Graustufen je Zeichen, zu einem späteren Zeitpunkt sind dann auch Farben im Spiel.

NFO von C.R.U.D.E.

Und für die Fanboys unter uns hat die niederländische Seite Blinkenlights.nl ein Kommandozeilen-Programm per Telnet — ursprünglich ein 8-Bit-Kanal zur Übertragung von 7-Bit-ASCII-Daten — zur Verfügung gestellt, welches mit „telnet towel.blinkenlights.nl“ aufrufbar ist. Was folgt ist episch: StarWars IV in ASCIImation!

Star Wars (20th Century Text)

Puzzle-Massaker

16. März 2011 22:05 Uhr auf Kabel 1: Saw.

Man muß „Saw“ wohl nicht kennen, es sei denn, man ist großer Fan von amerikanischen Horrorfilmen oder von den falschen Ex-Mitgliedern von NIN. Aber es schadet ja nie, die Inhaltsangabe im Videotext wenigstens zu lesen:

„Der Arzt Lawrence und Fotograf Adam erwachen in einem heruntergekommenen Waschraum. Eine massive Stahlkette fesselt sie an Rohre, in der Mitte des Raumes liegt eine Leiche. Keiner der beiden kann sich daran erinnern, wie er hier gelandet ist. Die Gefangenen stoßen auf Hinweise, die nur einen Schluss zulassen: Sie sind in die Falle des „Jigsaw-Mörders“ geraten. Der bringt seine Opfer in aussichtslose Situationen, die sie meistern müssen, um ihr Leben zu retten.“

*krquietsch – qukrietsch – qurkietsch* (bitte denken Sie sich hier die Geigen aus „Psycho“): „Jigsaw: Puzzle um Dein Leben!“

Ich wurde etwas kleinlauter, als ich die Definition von jigsaw im online-Wörterbuch sah. Also dann, neuer Versuch: „In der Falle des Jigsaw-Mörders: Laubsäge, solange Du noch kannst!“