Wahlen nach Zahlen

Ein Rätsel zieht ein anderes nach sich.

Nach dem Wahlerfolg einer Partei, die nun erstmalig in den Bundestag zieht, wird von allzu vielen versucht, diesen Erfolg zu erklären. Mir bleibt er ein Rätsel, aber ein noch größeres ist mir die Qualität der meisten Erklärungsversuche.

Für Friedrich Küppersbusch und Harald Welzer ist es der Ostdeutsche Mann, ein Phänotypus offensichtlich, daher hier auch großgeschrieben. In ihm erkennen beide die Ursache für den Wahlerfolg besagter Partei. Zumindest äußerten sich beide so in sogenannten Radio-Eins-Interviews.

Aber dem Journalisten Küppersbusch und dem Soziologen Welzer sind weder das deutsche Wahlrecht noch der Unterschied zwischen relativen und absoluten Zahlen bekannt. Die hohen absoluten Zahlen für die AfD in westdeutschen Bundesländern, hierbei bleibt die Migration aus Ostdeutschland ausgeblendet, wie die umgekehrte Migration auch, erklären sich mit dem Hinweis auf SED und DDR jedenfalls nicht.

Wenn sich die Meinungsäußerung von Onkel Kasper aber qualitativ nicht von der in den öffentlich-rechtlichen Medien unterscheidet, warum gibt es diese dann?

Die Süddeutsche Zeitung interviewte immerhin einen richtigen Soziologen. Mögen die GEZ-Einnahmen des Monats Oktober nach München gehen!2 Wer sich bilden will, der schaue hier!

1: Zur Erläuterung der Grafik: Die Daten stammen vom Bundeswahlleiter, und zwar aus dem vorläufigen Ergebnis der Bundestagswahl 2017. Danach haben in den alten Bundesländern 3.970.269 Wähler ihre Parteienstimme der AfD gegeben und in den neuen Bundesländern waren es 1.681.868. Da Berlin nicht gut in dieses Schema zu pressen ist, wurde es bei der Berechnung der Grafik nicht berücksichtigt. Hier holte die AfD 224.957 Zweitstimmen. Dennoch bleibt es insgesamt dabei, in den alten Bundesländern votierten relativ und absolut wesentlich mehr Wähler nicht für diese Partei als in den neuen. Über Ursachen wird nachzudenken sein, ein phänotypischer Ostmann kann aber schon einmal ausgeschlossen werden. Er hat nicht allein und nicht ausschließlich die AfD gewählt.

2: Zur Verteidigung der Öffentlich-Rechtlichen Sendeanstalten muss auf die Satiriker der Heute-Show verwiesen werden, sie hatten Freitag ein paar Pointen auf dem Schirm.
 

Neues aus dem zwangsabgabenfinanzierten Ministerium für Wahrheit

Die Tagesschau vom 14. Februar 2014 markiert eine Zäsur. Jan Hofer sagt in der Primetimenachrichtensendung, „dem ehemaligen Abgeordneten wird vorgeworfen, er habe kinderpornografisches Material besessen.“

Zum Zeitpunkt, als der damalige Bundesinnenminister Amtsgeheimnisse ausplauderte, gab es eben gerade keinen Vorwurf gegenüber Herrn Edathy, sondern lediglich einen Prüfvorgang. Die Vergangenheitsform der ARD stiftet weiter Verwirrung, denn der Nachweis einer strafbaren Handlung kann nur anhand von vorliegendem und nicht anhand von verschwundenem „Material“ erbracht werden. Herr Edathy ist vielmehr in den Fokus der Ermittlungsbehörden geraten, weil er wohl Kunde eines Händlers in Kanada war, bei dem er selbst Aufnahmen von Kindern und Jugendlichen gekauft haben soll, bei denen es nicht zu sexuellen Handlungen und zu keiner Fokussierung auf den Genitalbereich kam. Das BKA klassifiziert in diesen Fällen, wie die Süddeutsche recherchierte, mit „strafrechtlich irrelevant“. So sehr mich der Gegenstand der polizeilichen Untersuchung irritiert, so wenig gehört er in die Öffentlichkeit.

Die Tagesschau hält dies aber in Bildzeitungsmanie nicht davon ab, Bilder von strafrechtlicher Relevanz verschwommen auszustrahlen, die sexuelle Handlungen zeigen und mit dem bei Edathy eben gerade nicht vorgefundenen Material nur in der Phantasie der Voyeure von der ARD zusammenzubringen sind. Dies ist für eine öffentlich-rechtliche Sendeanstalt unwürdig. Wenigstens der Ertrag der Zwangsabgabe des Monats Februar sollte an die Süddeutsche überwiesen werden. Die haben das bessere Programm, die wissen noch, was privat und was öffentlich ist.

Die Demokratie braucht Demokraten. Wenn die privaten Medien diesen Anforderungen besser gewachsen sind, dann kann man die öffentlich-rechtlichen auch abschaffen und mit ihnen die Zwangsabgabe.

Beitrag zur Gebühreneinzugszentrale

Ist es eigentlich von einer staatlich beauftragten Stelle zuviel verlangt, Online-Formular-Ausdrucke mit einem ordentlichen Briefkopf auszuliefern? Oder zumindest mit einer Überschrift, um welchen Kontext es sich eigentlich bei den auf dem digitalen Vordruck aufgezählten Angaben handelt? Ich soll doch wohl nicht beim Abheften in meine Unterlagen allen Ernstes handschriftlich darauf vermerken, was das für Formularangaben sind, wer das Formular ausgestellt bzw. empfangen hat und wann das passiert ist?? Ganz zu schweigen davon, dass es für die digitale Dokumentverwaltung dann doch eher umständlich ist, in einem PDF Überschriften einzufügen…

Zur Verdeutlichung nachfolgend mal der Stein des Anstoßes: Füllt man das Online-Formular im Online-Service des „Beitragsservice von ARD, ZDF und Deutschlandradio“ (ehemals GEZ) aus, anstatt die per Post zugestellte Papierfassung — kurz „Antwortbogen“ genannt — zu bekritzeln, darf man dieses hinterher gnädigerweise für die eigenen Unterlagen ausdrucken:

Beitragsservice-Online-Formular-Ausdruck

Neben den sensitiven und daher zensierten Daten fehlt hier jeweils oben und unten nur Weißraum. Steuergelder (Pardon, Beitragsgelder pro Haushalt mit steuerähnlichem Charakter) bei der Arbeit… Der Papierfragebogen ist übrigens beidseitig ordentlich gekennzeichnet — und nur mit Unterschrift gültig. Aber beim Online-Formular geht das wohl auch ohne?!

PS: Nur interessehalber: Ist ein Login beim sogenannten Online-Service der Ex-GEZ mit dem Aktenzeichen des Papierfragebogens und der eigenen Postleitzahl eigentlich ausreichend sicher? Auf der Papierfassung steht wenigstens nochmal die Adresse, die bestätigt werden soll. Die muss mir beim Online-Formular entgangen sein (oder sie tauchte einfach nicht auf).