shoppen & ficken

brachte Thomas Ostermeier Ende der 90er den Kapitalismus auf eine Grundformel, nun greift die alte Tante SPD aus dem Munde ihrer Generalsekretärin diese Formel wieder auf und kräht shoppen & wählen. Bisher galt, wähl an einem arbeitsfreien Tag, da kann Dir kein Arbeitgeber Dein demokratisches Recht rauben und, wenn das nicht reicht, dann greif zur Briefwahl. Im Konsumstress der Vorweihnachtszeit hat Frau Fahimi offensichtlich geglaubt, kauft man halt noch ’ne Partei dazu, wenn man/frau schon beim shoppen ist. Völlig aus dem Blick geraten ist der Dame aus Hannover, dass das Wahlrecht auch die demokratische Kontrolle der Wahl umfasst. Wer also noch die demokratische Kontrolle der 1989er-Wahl zur Volkskammer der DDR im Hinterkopf hat und die politische Krise, die diese auslöste als dadurch vielfacher Wahlbetrug offensichtlich wurde, der lässt sich nur ungern dieses demokratischen Instruments berauben. Die Kontrolle der Auszählung der Stimmen bei der von der SPD vorgeschlagenen Woche der Wahl im Einkaufszentrum kann jedoch kaum aufrecht erhalten werden.

Messe der Dreifaltigkeit I

Nein, hier wird es jetzt nicht religiös — wobei drei aufeinanderfolgende Samstage mit drei durchstandenen bzw. -durchlaufenen Messen wahrscheinlich genauso anstrengend sind, wie eine Ostermesse im Stehen hinter sich zu bringen…

Aber Scherz beiseite. Es geht natürlich um drei Messen, die wir an den letzten drei Samstagen besuchten: Die CeBIT in Hannover, die Buchmesse in Leipzig und die Kulinaria & Vinum in Dresden. Klares Fazit vorweg: Die CeBIT war die größte, die Buchmesse die amüsanteste und die Kulinaria & Vinum die leckerste (und schnellste) der Messen. Ja, möglicherweise offensichtlich, aber zumindest für Leipzig hatte ich das nicht unbedingt erwartet. Doch der Reihe nach.

Die Messe der Informationstechnik

Nachdem kurz die Überlegung im Raume stand, artig per Park & Ride zur Messe in Hannover zu gelangen, schreckte uns die Warnung vor Streiks im öffentlichen Nahverkehr ab. Und, oh Wunder, über den Messeschnellweg gelangte man im Null-Komma-Nichts und ohne Stress zu einem Parkplatz bei der Messe. Okay, dass man hinterher 8 Euro zahlen musste, um mit dem Auto wieder vom Parkplatz runterzukommen, war uns erstmal nicht klar, aber hey, wir hatten ja Freikarten zur CeBIT. Irgendwie müssen die sich ja finanzieren…

Die Messe selbst ist, wenn man Leipzig kennt, riesig groß, total viele Hallen und total unübersichtlich, wenn man nicht vorher schon einen Plan hat, was man sehen möchte. (Ich lese gerade bei Wikipedia, dass Hannover das größte Messegelände der Welt aufweist, was dann auch einiges erklärt…) Dementsprechend planlos sind wir also in die erste Halle hineinmarschiert und gleich danach wieder hinaus — das war die Halle mit der Intel Extreme Masters World Championship, inzwischen dann nur noch mit Massen an Rechnern und Massen an Zockern davor und übelster Lautstärke. Auf die restlichen Hallen verteilten sich Hardware- und Software-Hersteller, Dienstleister und wer nicht noch alles — auch die Bundesrepublik Deutschland war da und hat ihren neuen Personalausweis beworben. Wobei ich die Standbeschriftungen „Trusted Government“ oder auch „Smart Government“ gerade im Hinblick auf die Haltung der Regierung bezüglich Internet und Kommunikationstechnologien immer noch für sehr zynisch halte.

Als Nicht-Fachpublikum haben mich vor allem die Standarchitektur und Software interessiert, war beim ersteren teils schwer beeindruckt — stangentanzende Robotorpuppen, mehrstöckige Gebilde mit Cocktailbar, den „vermutlich beste[n] Kaffee der CeBIT“ bei sipgate (sehr lecker!) und was nicht noch alles — das zweitere war ein wenig mager für meine Bedürfnisse, aber vielleicht habe ich auch einfach nicht den richtigen Stand in der richtigen Halle gefunden… Seht selbst:

Sehr irritierend war übrigens das Jäger- und Sammlerverhalten von vielen Messebesuchern, die Taschen, Stifte, Kekse, Arbeitsplätzchen und noch mehr Taschen abfassten — ich wüsste wirklich nicht, was ich mit diesen Papp-, Plastik- und Stoffbeuteln anfangen sollte, ich habe doch wirklich genügend zu Hause! Aber viele brauchten das Zeug ja nur bis zum Auto schleppen, der nächste Mülleimer liegt bestimmt am Weg… Übrigens war auch nach Messeschluss die Verkehrsführung zum und auf dem Messeschnellweg Richtung Autobahn hervorragend, Stau gabs keinen. Respekt!

Fortsetzung folgt…

PS: Ja, das waren alles schlechte Handy-Fotos, war aber auch mal wieder Zeit dafür…