Dein Glauben ist mir gleich

Vor nicht ganz zwei Jahren gab es in diesem Blog schon einen Kommentar zum Mohammed-Karikaturen-Streit, ebenso wie gelegentlich einige Anmerkungen über die vermeintliche Verletzung religiöser Gefühle anderer Religionen hier zu haben sind. Die Freiheit sich über die Gruppenidentitäten anderer hinwegzusetzen und sie gar zu verspotten, geht nicht damit einher, den Inhalt dieser Karikaturen gut zu heißen, es ist nur die Voraussetzung unseres Gemeinwesens. Wir wollen abweichende Ansichten nicht mit dem Tod bestrafen, daher sind rechtliche Spielräume, Toleranzen, hierfür weit gefasst. Wer glaubt, dass eine uniforme Welt möglich ist, der ziehe doch bitte zurück auf die NS-Zeit. Damals vor Stalingrad war auch alles schön.

Tod und Sprache

Frank Schirrmacher ist heute an den Folgen eines Herzinfarkts gestorben.

Wenn man sich an die Nach-Kohl-Ära erinnern wird, an die Zeit in der die alten Eliten sich neu aufstellten, dann muss man sich an diesen Mann erinnern. Hatte sein Vorgänger im Amt des für das Feuilleton zuständigen Herausgebers Joachim Fest noch den Schulterschluss mit den alten Eliten mit Enschuldungsprosa über NS-Größen gesucht, hatte Schirrmacher den Finger am Puls der neuen Zeit. Einer Zeit, die derart beschleunigt kulturelle Zäsuren hervorbringt, dass schon die noch miteinander lebenden Generationen sich nicht mehr verständigen können. Ein Beispiel hierfür ist die Zensursula-Politik, deren Kind eine ganze Partei werden sollte, die Piratenpartei. Seine intellektuelle Offenheit, sein intellektueller Erkundungsdrang, ebnete Themen den Weg, die die FAZ zu jenem Leitmedium formte, von dem Die Zeit heute noch glaubt, es zu sein.