Zeit und Geschmack

In der Geschichtswissenschaft gilt seit Mitte des 19. Jahrhunderts, dass die Gegenwart des Betrachters die betrachtete Geschichte formt. Wieviel stärker muss dieses Moment sein, wenn die Geschichte sich als Unterhaltung dem Zeitgeschmack andient!

Aktuell kann man in der ZDF-Mediathek einen Historienschinken über Maximilian sehen. Die dummen und dreisten Bürger, die mit ihrem Geld kaum wissen wohin, vertreiben die Flüchtlinge. Gerade noch hatte die gütige Adlige tausenden Geflüchteten helfen wollen. Der Nachfrage, wer soll das bezahlen, begegnet sie mit einem

„wir schaffen das. 1

Was sagt dies nun über unsere Zeit?

1. Maximilian, Teil 2, ZDF, ca. 44:50

Wählst’e schon oder denkst’e noch

Die Wahlunterlagen sind eingetroffen. Damit wird es Zeit sich zu entscheiden, wählt man/fra(u) die Partei mit dem fairen Lohn oder die mit der Tarifautonomie, sagt man/fra(u) ja zur Partei mit dem schicksten Covergirl oder zu der mit dem besten Wahlslogan?

Wenn die NPD und wenn die Grünen für bezahlbaren Wohnraum plakatieren, dann fällt auf, ein paar Informationen mehr könnten nicht schaden, z.B. wie dies Ziel erreicht werden sollte, Eroberung von Wohnraum im Osten oder Mietsteigerungsdeckelung. Warum nur stehen solche Details nicht auf Plakaten?

Eine Partei verzichtet gleich ganz auf jede Andeutung von Inhalt. Dies schützt vor Wahlbetrug, vielleicht aber auch vor Wahloption.

Auch negative Kriterien könnten eine Wahl motivieren. Man/fra(u) könnten sich gegen die Partei entscheiden, die die meisten Abwesenheitsstunden im letzten Parlament aufweist.

Oder man versucht doch noch einmal politische Entscheidungen nachzuvollziehen. Dabei kann auch Technik helfen. Die hier haben die tatsächlichen Entscheidungen im Parlament erfasst und bieten den Vergleich zur eigenen Position. Damit sind sie der realen Politik um einiges näher gekommen als der Wahlomat.

Da man/fra(u) sich für eine Partei entscheiden muss, kann als Überbau auch Die Partei gewählt werden. Sie hat Politik auf jeden Fall am prägnantesten auf den Punkt gebracht: 

Schlimmer!

Auch wenn Merkel über den September hinaus Kanzlerin bleibt, können bei persönlichem Wunsch Akzente gesetzt und potentielle Koalitionspartner gewählt werden. Oder die Wahl fällt auf die künftige Opposition, ob nun die im Parlament oder die draußen. Nur blau machen, gilt nicht.