Und es geht weiter …

Während meine eigentliche Niederlage gestern darin bestand, in einer Kneipe gewesen zu sein, die nur gegen Vorkasse Bier herausgeben wollte, besteht die heutige Niederlage darin, dass es weiter geht.

Dabei waren die Anzeichen für einen Weltuntergang doch offensichtlich:  Schon vor anderthalb Jahren kündigte Gaddafi die „entscheidende Schlacht“ an, die Schlacht um Misrata. Missraten war daran auch, dass Deutschland sich entschieden unbeteiligt zeigte. In der Finanzkrise, vor deren Folgen uns dieselben Politiker retten sollen, die uns dahin manövriert haben, gründeten memoschwache Finanzjongleure die Bad Bank, auf die sie ordnungsgemäß ihre Verluste buchten. Vor einer Woche brauchte die amerikanische Waffenlobby NRA nur vier Tage, um erstmalig festzustellen, dass sie „todunglücklich“ über ein Schusswaffenmassaker sei, und kürzlich fing der Papst auch noch an zu twittern.

Alle Zeichen waren falsch.

Melancholia

Beschneidung jetzt auch für Katholiken!

Durch das Gerichtsurteil zur Strafbarkeit ritueller Beschneidungen von Jungen wird laut Müller die religiöse und kulturelle Identität des Judentums in Frage gestellt – „und das auf dem Hintergrund unserer deutschen Vorgeschichte“. Die Aussage, dass es sich bei Beschneidungen um Körperverletzung handele, „kann man nicht akzeptieren“. Denn es sei kein Eingriff in wesentliche Funktionen des Menschen. „Wer dazu schweigt, wenn Ungeborenen das Leben genommen wird, hat kein moralisches Recht, die Beschneidung zu kriminalisieren“, argumentierte der Erzbischof. (Süddeutsche.de)

Während über die argumentative Entgleisung der Rabbiner schon berichtet wurde, muss offensichtlich ausgleichend das Bemühen des Präfekten der Glaubenskongregation gewürdigt werden, im Äußern von Dummheiten nicht zurückzustehen. Logisch ist die Beschneidung für Priester „kein Eingriff in wesentliche Funktionen des Menschen“, sind sie doch ohnehin sexuell abstinent. Obwohl, haben die letzten Jahre nicht offenbart, dass pädophile Priester ein gutes Motiv haben, sich das obsessive Herumspielen an Geschlechtsorganen kindlicher Religionszugehöriger legitimieren zu lassen?

Die Stunde der Ideologen

Wenn die Pussy-Riots in einer orthodoxen Kirche kreischen „Putin pisst sich in die Hose“ (3Sat, Kulturzeit), dann ist das politischer Widerstand für die Freiheit. Wenn die Titanic den Papst als nicht ganz dicht aufs Cover setzt, dann ist das dekadent (Thomas Goppel, CSU). Dekadent war übrigens auch der Terminus der SED für unliebsame Kultur und das hieß für unterdrückte Kultur.

Der umstrittene Titanic-Titel war für mich als Gelegenheitskäufer ein Grund dieses Heft nicht zu kaufen, aber eben kein Politikum. Ob man überhaupt die Persönlichkeitsrechte des Papstes verletzten kann oder nicht vielmehr, solange man ihn nicht als Herrn Ratzinger beleidigt, er diese Form der Meinungsfreiheit hinzunehmen hat, wird ein Gericht oder auch mehrere zu klären haben. Schon jetzt aber zeigen sich die Ideologen, die Wächter von Wahrheit und Moral, denen so wenig vertraut ist, wie eine republikanisch verfasste Demokratie lebendig bleibt.

p.s.: Ich geh mir dann mal doch das aktuelle Titanic-Heft holen.