from Bashar with love

Mein einmaliger Tunesienurlaub in den Neunzigern macht mich sicher nicht zum Nahostexperten, obwohl wenn man sich die Fernsehexperten anschaut, die gerade von kleinen begrenzten Bombardements auf Syrien sprechen, dann habe ich scheinbar schon mehr von der arabischen Welt gesehen als die. Oder aber mein unbedarftes Auge sieht den „Wald zwischen all den Bäumen“ besser. Vielleicht liegt es ja daran das mir einiges spanisch oder besser syrisch an der aktuellen Berichterstattung vorkommt. Eventuell kann mir ja mal einer der selbstberufenen Experten, die jetzt überall in den Medien auftauchen weiterhelfen. Hier also einige Fragen:

  • Assad hat immerhin in London Medizin studiert und ist Gründer und Präsident der Syrian Computer Society. Also zumindest nicht blöd, wie manche seiner (ex)Amtskollegen. Wieso also sollte er einen solchen blöden Fehler begehen, die Weltöffentlichkeit mit einem (militärisch zweifelhaften) Giftgaseinsatz zu erzürnen.Was hätte er damit gewonnen?
  • WER hätte bei einem Eingreifen des Westens etwas zu gewinnen?
  • In Syrien herrscht seit zwei Jahren Bürgerkrieg, wieso sollte das Militär genau dann Giftgas einsetzen, wenn die USA und Großbritannien dringend von ihrem Geheimdienstskandalen ablenken müssen?
  • Woher weiß ein UN-Beobachter, wer das Gas verschossen hat? Steht da „from Bashar with love“ auf den Kartuschen? Zumal das ganze Gebiet hart umkämpft und unter Artilleriebeschuß gewesen sein soll.
  • Wieso sollte man erst UN-Inspektoren ins Land lassen und sie dann bei ihrer Arbeit beschießen?
  • Die effektive Kampfentfernung von Scharfschützen liegt bei 600 bis 2500 Metern (laut Wikipedia). Wie macht man auf diese Entfernungen in bebauten Gebiet aus zu welcher Fraktion der Schütze gehört. Tragen syrische Militärscharfschützen etwa frühneuzeitliche Uniformen?
  • Last but not least: Wo steckt eigentlich Colin Powell? Der hatte immer so schöne Bilder von Saddams mobilen Giftgasfabriken. Die ließen sich doch jetzt prima recyceln.

Was mich also stutzen lässt, ist die Tatsache das urplötzlich ALLE vom Giftgaseinsatz in Syrien reden und keiner mehr von Edward Snowden, Bradley Manning, der NSA oder dem GCHQ. Das dieser Einsatz einfach zu gut getimed war und Assad  wahrlich nicht SO doof sein kann, dem Westen eine solche Vorlage zu liefern. Zumal, laut World Tribune welcher sich auf NATO-Daten beruft, nur zehn Prozent der syrischen Bevölkerung hinter den Rebellen stehen wogegen 70% Assad unterstützen. Sollten diese Zahlen stimmen, gewinnt auch Assads Drohung von einem „zweiten Vietnam“ einiges an Gewicht.   So traurig und erschreckend ermordete Kinder sind, so wenig sind sie ein Beweis dafür, wer sie ermordet hat. Also Anne Will, mit den Bildern von ermordeten Kindern im Fernsehen und auf der Straße Aufmerksamkeit zu erregen und Meinung zu machen, ist pietätlos.

‚MURICA!!

Es gibt unzählige Listen mit lusigen/seltsamen US-Gesetzen und auch wir Europäer können das eine oder andere vorweisen, aber einige sogenannte Gesetze entziehen sich meinem Verständnis vollkommen.

So zum Beispiel das kürzlich hier bekannt gewordene sog. „stand-your-ground-law“ in Florida (und anderswo). So genügt es, sich beroht zu fühlen (!), um jemanden über den Haufen zu schießen. Eine tatsächliche Bedrohungslage, wie sie das deutsche Gesetz vorsieht (und selbst hier ist noch Vorsicht vor dem Notwehrexzess geboten), muss wohl nicht vorliegen.

Wenn mich also demnächst nachts in einem floridaer Wohngebiet ein Hispanoamerikaner mit seinem Geländewagen verfolgt, kann ich mich einfach umdrehen und ihn erschießen! Ohne eine Strafe fürchten zu müssen!
Mal sehen, wie lange es dauert, bis jemand eine — sagen wir neunzigjährige — Oma abknallt, weil er dachte, sie wolle ihn mit dem Rollator überfahren. Straffrei.

Mir ist ja klar, dass in den USA die NRA eine nicht zu unterschätzende Lobbymacht ist, aber ein solches Gesetz widerspricht — gerade in einem Land wo ziemlich jeder eine Waffe führen darf — dem gesunden Menschenverstand.

Wenn hier jamand ins Gefängnis gehört, dann nicht der „zu Recht“ freigesprochene Zimmerman, sondern die Lobbyisten und Politiker, die für ein solches Gesetz verantwortlich sind.

UNFAIR!

OK, ich gelobe Besserung!

Das wird mein letzter „Friedrich-Artikel“ für die nächste Zeit. Der Mann gibt aber auch ein so schönes Opfer ab. So schwere Fälle von kognitiver Dissonanz sieht man eben selten in der Öffentlichkeit.

Zum Thema:

Sie, Herr Innenminister Friedrich, haben sich also beim Spiegel Online beschwert es sei unfair, jetzt auf den Amerikanern herum zu hacken (pun intended), ohne genauere Fakten zu kennen.
Wissen Sie was? *Fanfare* Sie haben Recht! Es ist unfair — als Deutsche — auf den Amerikanern herum zu hacken, ohne genau zu wissen, welche Rolle der BND in der ganzen Sache spielt.
Wenn Sie also dann in die USA fliegen, um „unter Freunden mal Tacheles zu reden“, erklärt Ihnen der prismatische charismatische Präsident Obama eventuell auch das.

Danach können Sie es ja uns, Ihrem untertänigsten Wahlvolk, erklären, damit wir nicht mehr unfair und ziellos, sondern ganz gezielt auf die Amerikaner und den BND schimpfen können.
Wahrscheinlich wird Ihnen aber niemand auch nur irgendetwas Sinn- oder Wertvolles sagen und Sie werden in der Gewissheit hierher zurückkehren, dass man zum Tacheles Reden unter Freunden eben auch Freunde haben muss.

Dann erklären Sie uns eben das. Es sei denn, die kognitive Dissonanz (s. o.) ist wieder schneller.

In diesem Sinne:
Guten Flug