Die ZDF-Nachrichtensendung “Heute” erinnert in einem langen Beitrag an das Ermächtigungsgesetz vom 23. März 1933 und den parlamentarischen Widerstand jener SPD-Abgeordeneten, denen die Nazis noch die Chance dazu gelassen hatten. Da Hitler für die parlamentarische Abschaffung des Parlaments die Zweidrittelmehrheit benötigte und trotz überwältigendem Wahlsieg auf Stimmen der anderen Parteien angewiesen war, kann man in der Geschichtstradierung der bundesdeutschen Demokratie gar nicht hoch genug würdigen, dass die SPD-Fraktion als einzige mit Nein gestimmt hat. Aber wenigstens erwähnt werden sollte, dass nicht nur einige SPD-Abgeordnete durch den Terror der Nazis an der Abstimmung gehindert wurden, sondern alle Abgeordneten der KPD. Immerhin hatte letztere bei den Wahlen noch 12,3% der Stimmen gewonnen.

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Es gibt das Gerücht, Verschwörungstheorien seien Herrschaftsfeindlich. Hingegen werden moderne Mythen im Herrschaftsdiskurs ganz allgemein eingesetzt, um bereits erreichte Macht zu stabilisieren. Jüngstes Kabinettstück: Gauck. Alle und insbesondere das Internet, wer ist das eigentlich, würden Gauck falsch zitieren. Dabei sei es so einfach, die Originalzitate im Internet zu finden. Wer hier einen Widerspruch vemutet, der liest zu aufmerksam.

Gauck darf künftig für sich in Anspruch nehmen, aus dem Zusammenhang gerissen worden zu sein.

Interessant ist nun, dass diejenigen die meinen, Gauck so verteidigen zu müssen, auf vernünftiges Argumentieren weitgehend verzichten. Oft genügt der Hinweis auf den Status des Bundespräsidenten, um den Gesprächspartnern den Mund zu verbieten (so Söder). Gut, Gauck ist noch nicht gewählt und öffentliche politische Diskurse fürchten eben nur die Machtbesessenen, den Demokraten sind sie willkommen. Ist doch die Demokratie nicht die Herrschaft der Rechthabenden, sondern derjenigen, die rechtschaffend das Richtige aushandeln.

Wenn Gauck also meint: “Eine besondere Bedrohung stellt das Internet [...] für den Artikel 5 des Grundgesetzes dar, die Meinungs- und Pressefreiheit“, dann erweist sich der selbsternannte Demokratielehrer als echtes Kind Ostdeutschlands. Der faktenvermittelnde Frontalunterricht stärkte nicht die Entscheidungskompetenz und Begründungsfähigkeit, sondern war hierachisch gedacht. Ganz so möchte Gauck seine Demokratieunterweisung ex cathedra verkünden.

P.S.: Und jetzt noch neun Tage, dann …

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Mrz 022012

Sascha Lobo schreibt bei Spiegel-Online einen Artikel auf der Grundlage eines Artikels von Patrick Breitenbach. Er schreibt: “Breitenbach hat auf dem Blog der Karlshochschule die als Belege wiederholten Zitate jeweils bis zu ihrem Ursprung zurückverfolgt: Im Kontext bleibt wenig übrig von den aggressiven Vorwürfen – unabhängig davon, wie man zu Gaucks Überzeugungen stehen mag. Eventuelle substantielle Kritik aber wird entwertet, wenn sie neben Quatsch-Kritik steht.”

“Hää?, [... fragt sich Breitenbach zu Gaucks Bemerkung "Occupy sei unsäglich albern":] Kann es sein, dass ich mich mit meinem bisherigen Urteil so getäuscht habe? Schon damals als der Spiegel Online Artikel zu Gaucks Occupy Bemerkung veröffentlicht wurde, kam mir dieser Beitrag widersprüchlich vor. Zum einen war die Überschrift überhaupt nicht im Einklang mit dem geäußerten Inhalt und zum anderen ist mir sehr wohl bewusst, wie Medien manchmal arbeiten, nämlich stark simplifiziert und immer auf der Suche nach einer geeigneten Schlagzeilen-Sensation. Als sich gestern im Laufe des Tages solche Schlagzeilen gegen Gauck mehrten, machte ich aus meiner Verwunderung eine Tat: Ich begab mich auf die Suche nach den jeweiligen Originalquellen, denn die einzigen Artikel, die immer wieder als Quelle zum Beleg und Unterfütterung der Anti Gauck Aussagen verwendet wurden, waren eben die, die eine Quelle fragmentarisch interpretiert haben und sie nicht 1:1 in voller Länge wiedergaben.”

Den Medien wirft Breitenbach also vor, bei Gelegenheit stark simplifizierend zu arbeiten. Seine ihm von Lobo attestierte Leistung, die kritisierten Zitate Gaucks bis zu ihrem Ursprung zurück zu verfolgen, mündet bei Breitenbachs Diskussion von Gaucks-Occupy-Bashing in: “Hier bin ich noch auf der Suche nach der ursprünglichen Quelle:” Das hält ihn aber nicht davon ab einen langen Absatz folgen zu lassen, über all jene, die dieses Zitat falsch verwenden würden.

Lobo kann auf der Grundlage von Breitenbach nicht sehen, was Breitenbach nicht sieht. Das hält ihn aber nicht davon ab, das Nichts fortzuschreiben und andere zitieren dann wieder Lobo. Das ist effizient, sozusagen ein Lobomat, eine Quatschfortschreibungsmaschine.

Wer Analysen sucht, der greife zur gedruckten Süddeutschen oder FAZ. Die kosten Geld und damit bezahlt man dann Qualität.

Ich hoffe auf einen Bundespräsidenten, der politisches Engagement auch dann würdigt, wenn er es in der Sache nicht teilt. Teilen wir doch unser Land selbst dann, wenn wir Quatsch schreiben. Unser Bundespräsident aber, so hat es Lammert bei der letzten Wahl charakterisiert, darf sich um Überparteilichkeit mühen.

P.S.: Ich bitte um Verständnis, dass ich meine Quellen fragmentarisch interpretiert habe “und sie nicht 1:1 in voller Länge wiedergab”. Mir schien, dass ich sonst den Sinn eines Zitats verfehlt hätte. Dafür habe ich aber alle Quellen zum selber nachlesen angegeben.

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