Zeit und Geschmack

In der Geschichtswissenschaft gilt seit Mitte des 19. Jahrhunderts, dass die Gegenwart des Betrachters die betrachtete Geschichte formt. Wieviel stärker muss dieses Moment sein, wenn die Geschichte sich als Unterhaltung dem Zeitgeschmack andient!

Aktuell kann man in der ZDF-Mediathek einen Historienschinken über Maximilian sehen. Die dummen und dreisten Bürger, die mit ihrem Geld kaum wissen wohin, vertreiben die Flüchtlinge. Gerade noch hatte die gütige Adlige tausenden Geflüchteten helfen wollen. Der Nachfrage, wer soll das bezahlen, begegnet sie mit einem

„wir schaffen das. 1

Was sagt dies nun über unsere Zeit?

1. Maximilian, Teil 2, ZDF, ca. 44:50

Ökonomische Gesetze als Kurzgeschichte

Wenn in Griechenland abgestimmt wird, dann ist zumindest die Schwäche direkter Demokratie offensichtlich, weiß doch niemand, was die Optionen auf dem Stimmzettel bedeuten. Bei der direkten Demokratie verfügt derjenige über die entscheidende Macht, der die Frage, die zur Abstimmung gestellt wird, formulieren darf. Ist diese möglichst verklausulierte, dann ist der Einstieg in die Subtextproduktion gelungen.

Die Linke erzählt, es ginge um Solidarität, Demokratie und Souveränität.

Die Rechte erzählt, es ginge um Recht, Staatsordnung und Marktgesetze.

Um ihre Positionen zu stärken, wird ordentlich auf die Trommel öffentlicher Aufmerksamkeit bzw. Unaufmerksamkeit geschlagen, damit die eigentlichen Probleme, die recht kompliziert sind, immer wieder zum eigenen Vorteil überschrieben werden können. In Deutschland lässt man die Großmaschinen öffentlicher GEZ-Diskurse bekanntlich mit rund 7 Milliarden Jahresumsatz laufen. Die Linke kommt wie immer zu kurz, bis sie selbst einmal am Drücker ist. Die Rechte will doch nur geben, solange schwarze Zahlen geschrieben werden. Jetzt haben alle die Chance beleidigt zu sein, der Generator politisch lähmender Erzählungen ist angeworfen.

 

p.s. Wer Lösungen von mir will, der muss mich bezahlen oder lesen, z.B. Hans-Werner Sinn.