Telefonservice — ein Experiment

Einigen Lesern dieses Blogs wird vielleicht noch die irrelevante Information im Gedächtnis verhaftet sein, dass ich Kunde von Vodafone bin. Nun hat dieser Mobilfunkanbieter — wie vermutlich andere auch — die nervtötende Angewohnheit, seine armen Call-Center-Mitarbeiter mindestens einmal im halben Jahr anfragen zu lassen, ob man denn nicht dieses oder jenes Produkt oder diese oder jene Vertragsverbesserung in Anspruch nehmen möchte. Zumindest nehme ich das an, denn ich habe bei den letzten Telefonaten mit Vodafone nach dem ersten Satz des jeweiligen Mitarbeiters/ der jeweiligen Mitarbeiterin ein „Nein-Danke-kein-Interesse“ folgen lassen und verbat mir anschließend weitere derartige Anrufe mit der Aufforderung, dies auch in der entsprechenden Datenbank zu vermerken.

Nicht, dass dies bisher Erfolg gehabt hätte. Das letzte Mal, dass ich ein Ende der Werbeanrufe forderte, erhielt ich sogar eine patzige Antwort des Call-Center-Mitarbeiters, die in der Schule bestimmt einen Eintrag ins Muttiheftchen nach sich gezogen hätte. Ich halte ihm durchaus zugute, dass er einen wirklich besch***en Job hat — aber für regelmäßige Zahlungen an Vodafone hinterher auch noch mit Regelmäßigkeit genervt zu werden, möchte ich zumindest nicht kommentarlos hinnehmen!

Derzeit ist mal wieder ein halbes Jahr um, die Vögel zwitschern wieder und Vodafone? Tja, Vodafone versucht erneut seit Tagen, mich zu einem Gespräch zu nötigen. Da ich die zugehörige Telefonnummer aber langsam kenne, beschloss ich ein „Experiment“: Ich ignorierte die Anrufe und ließ mein Handy protokollieren, wie häufig und in welchen Zeitabständen die armen Vodafone-Mitarbeiter wohl per Wahlcomputer auf meine Nummer gehetzt würden. Auf diese Art konnte ich bisher neun Anrufversuche in drei Tagen verbuchen:

  • 29.1.2013: 3 Anrufe (um 13:45, 14:51 und 15:56 Uhr)
  • 30.1.2013: 3 Anrufe (um 09:59, 11:07 und 12:17 Uhr)
  • 31.1.2013: 3 Anrufe (um 09:06, 10:12 und 11:19 Uhr)

Anschließend war — obwohl ein weiterer Wochentag, Freitag, folgte — erstaunlicherweise Ruhe im Karton. Aber mal sehen, ob nach dem Wochenende weitere derartige Anrufversuche folgen… Interessant fand ich übrigens deren geringe zeitliche Streuung, ich hätte ja zumindest nochmals am Feierabend weitere Nervereien erwartet, aber vielleicht wird erwartet, dass das Handy auch während der regulären Arbeitszeit stets bedient wird (und nicht, wie bei mir, stumm geschaltet in der Tasche liegt).

Zumindest die Werbe-SMS-Flut von Vodafone, die einen ja seit dem Zeitalter der Mobilfunkknochen verfolgte, konnte man abbestellen, so man sich denn erfolgreich durch Foren und Vodafone-Webseiten durchgekämpft hatte. Warum wird mein mehrfach und deutlich ausgesprochener Wunsch, auch per Anruf bitte nicht belästigt zu werden, ignoriert? Ich mag ja ein Vertragsverhältnis mit Vodafone haben, aber:

Nach einem Urteil des Oberlandesgericht Frankfurt am Main aus dem Jahre 2005 genügt das Vorliegen einer Geschäftsbeziehung nicht zur Annahme einer konkludenten oder ausdrücklichen Einwilligung eines Verbrauchers zu Werbeanrufen.

Wikipedia zur unerwünschten Telefonwerbung —

Und:

Bei vielen Verträgen findet sich in den Allgemeinen Geschäftsbedingungen eine vorformulierte Klausel, nach der sich der Verbraucher mit künftiger Telefonwerbung einverstanden erklärt und die er streichen muss, wenn er keine Werbeanrufe erhalten will. Eine solche vorgefertigte Einwilligungserklärung ist unwirksam. Es handelt sich nicht um eine aktive, vom Verbraucher erklärte Einwilligung. Das gilt sogar dann, wenn das vorformulierte Einverständnis unterschrieben werden muss.

— Verbraucherzentrale Bayern e.V.

Ich muss mich also sehr wundern, ob Vodafone nicht tatsächlich ein wenig über die Stränge schlägt bei seinem regelmäßigen Telefonterror. Aber will man nicht weiter genervt werden, bleibt scheinbar nur eine schriftliche Unterlassungsaufforderung. Ein Grund mehr, warum mir das Opt-In irgendwie sympatischer ist, egal um welche potentiellen Einschnitte in die Privatsphäre es schlussendlich geht! Als stolzer (wirklich nicht!) iPhone-Besitzer kann ich übrigens keine Telefonnummern blockieren und mir damit das Leben schnell einfacher machen (Apple lässt — wie fürsorglich! — schlicht keine Apps zu, die Anrufe von gewissen Nummern unterdrücken), es sei denn der Carrier — also Vodafone — tut mir den Gefallen und blockt sich selber für mich… *Seufz*

Frage in die Runde: Sind andere Mobilfunkanbieter auch so penetrant? Und muss ich jetzt befürchten, dass Vodafone mir das Telefonieren missgönnt [und ja, das Wort sieht in der Neuen Deutschen Rechtschreibung wirklich komisch aus!]?