Und nächstes Jahr in Jerusalem

Das Juden in Deutschland keine Zukunft haben, kann aus dem Mund eines Rabbiners eigentlich nicht aufregen. Vielmehr gehört es zum festen jüdischen Ritual auf die Einheit der Juden in Jerusalem zu hoffen, zu hoffen, d.h. auf die Zukunft hoffen. Kurz: Für das Jüdische an der Zukunft kann der deutsche Staat ohnehin nicht da sein. Er ist dem Jetzt verpflichtet.

In Köln hat ein Gericht die Rechte der Kinder, an denen Beschneidungen vorgenommen wurden, gestärkt. Das Gericht hat in einem Einzelfall, in dem über einen nachhaltig geschädigten Jungen entschieden wurde, sein Recht auf Unversehrtheit höher gewürdigt, als das religiöse Motiv (muslimisch) der Eltern. Befürworter der Beschneidung übersehen seither geflissentlich, dass der Junge tatsächlich geschädigt wurde, und treiben die Debatte ins Unsägliche.

So titelt die Süddeutsche „Schwerster Angriff auf jüdisches Leben seit dem Holocaust“. Dies soll ein Zitat der Konferenz Europäischer Rabbiner sein. Hmm, wirklich?! Also wenn, dann ist dies die größte anzunehmende Dummheit seit (Beliebiges einsetzen).

Subtil wird hier mit einer Vielzahl von Missverständnissen gespielt. Dass „jüdisches Leben“ häufig synonym für jüdische Kultur gebraucht wird, weiß nicht jeder und muss es auch nicht. Ein Angriff auf Leib und Leben von Juden kann von den Rabbinern ja wohl nicht gemeint gewesen sein, der Bezug zum Holocaust suggeriert dies aber. Oder wollte die Konferenz Europäischer Rabbiner zum Ausdruck bringen, dass es beim Holocaust ausschließlich um die Verhinderung der jüdischen Kultur ging? Dann sei gesagt, dem war nicht so. Wer aber den Massenmord an Juden im Nationalsozialismus leugnet, der macht sich in der Bundesrepublik strafbar.

4 Antworten auf „Und nächstes Jahr in Jerusalem“

  1. Auf Wunsch einer einzelnen Dame erläutere ich kurz die Eröffnung des Textes. Diese bezieht sich auf die Eröffnung des verlinkten Artikels der Sueddeutschen: „Juden haben in Deutschland keine Zukunft mehr, wenn das Beschneidungsurteil Bestand hat – mit diesen drastischen Worten bezieht der Präsident der Konferenz Europäischer Rabbiner Stellung gegen die Rechtsprechung des Kölner Gerichts.“

  2. Wenn Merkel spricht, erschrecke ich. Kürzlich hat sie ein „großes Maß an Antisemitismus“ in Deutschland festgestellt. Wer im Nebulösen beleidigt, kann sich zwar in Gefallsucht suhlen, ist aber als politischer Rhetor eine Versagerin.

Kommentare sind geschlossen.