Wortwahl

In einer Welt voller bemühter Werbetexte und -titel fallen einige wenige angenehm durch einen besonderen Umgang mit Bild, Sprache und Kontext auf. So sind mir zum Beispiel folgende Werbeslogans, Firmen- oder Vereinsnamen positiv aufgefallen:

Das Schauspielhaus. Seit 110 Jahren in der Kritik
Slogan des Deutschen Schauspielhauses in Hamburg
Eigen+Art
Berliner Galerie
Eisdealer
lecker Eis in Hamburg
Eisdieler
Berliner Modelabel/ Streetwear-Laden in einer ehemaligen Eisdiele (übrigens auch mit dem netten Sub-Label Director’s Cut)
hinz & kunst
Foto- und Designatelier von Holger Hinz in Bautzen
Jung und Artig
junger Freundeskreis im Förderverein der Berlinischen Galerie
Klein, grün, bockig
irgendwann einmal Slogan der Brauerei Kneitinger in Regensburg
The Motherboard
amerikanische Internetplattform für Mütter

Planwirtschaft
Kneipe in der Dresdener Neustadt
Planbar
Bar am Jakobsplan in Weimar
Reizbar
reizende Dessous in Freiberg
Ringelbeatz Records
deutsches Musik-Label
Soupkultur
Suppenbar in Berlin
spaceagency
Architekturbüro in Westaustralien
querkraft
Wiener Architekturbüro

spaceagency

Dagegen scheinen mir Wortkonstrukte wie Kultour — wahlweise für Kultur-Tourismus, mobilen Bühnen-Bau oder für ein australisches Programm zur Förderung der Künste — schon eher ein wenig bemüht zu sein. Der Bühnen-Bau hat allerdings zu seiner Ehrenrettung einen reizenden Slogan: Wir schaffen Spielräume… Auch bei dem Konstrukt Miezhaus — Name eines Kratzbaumes, mehrerer Katzen-Pensionen oder eines (ehemaligen?) Berliner Katzenfreunde-Kunst-und-Krempel-Ladens — bin ich mir noch nicht ganz sicher, was die Wertung angeht.

Vor allem bei den neuerdings scheinbar wie Pilze aus dem Boden schießenden Friseur-Salons gibt es dann auch Namensgebungen, die nicht nur bemüht, sondern beinahe schon übelkeitserregend sind. Einige Beispiele hierfür sind etwa Kamm In, Hin & Hair, haarmoniePonyClub oder crehaartiv. Auch Kaiserschnitt als Salonname klingt eher nach einer schmerzhaften Erfahrung. Hairlich schön schließlich verdient meines Erachtens nach eine Medaille für Sprachentgleisung. Ausnahmen bestätigen die Regel: Director’s Cut in der Dresdener Neustadt, sehr nett, wie ich finde…

Wer kennt weitere Beispiele der verkopften oder auch kopfloseren Art?

2 Antworten auf „Wortwahl“

  1. Auch ein etwas bemühter und wirklich nicht gelungener Werbeeinfall: „Giro sucht Hero“ von der Sparkasse! (Und das verlinke ich jetzt absichtlich nicht…) Die Luftgitarren gefallen mir übrigens sehr, Lora!

Kommentare sind geschlossen.