Jun 142011

ASCII-Signatur-Männchen

ASCII-Art begegnete uns in der guten alten Zeit des Internets zumeist in Form von ellenlangen E-Mail-Signaturen, einmal gelesen und dann geflissentlich ignoriert. Heute, in Zeiten des multimedialen, bunt bebilderten Netzes, sind solche Signaturen schon Ausdruck des Vorsintflutlichen — zumindest kommt es einem so vor.

Ganz falsch ist diese zeitliche Zuordnung nicht, gab es doch schon vor den digitalen Buchstaben-Bildchen-Bastlern Geduldige, die diese analog per Schreibmaschine zu Papier brachten. Die hier abgebildete Eulenkette ist zum Beispiel einer Zeitschrift von 1948 (Popular Mechanics: Keyboard Art) entnommen.

Schreibmaschinen-Eulen

Heute ist der ASCII-Text nicht unbedingt ausgestorben, aber Buchstaben, Ziffern und Symbole sind längst nicht mehr auf 7-Bit-Zeichenkodierung und 128 Zeichen beschränkt, wie der American Standard Code for Information Interchange es einmal war. Heutige Typo-Art nutzt zudem nicht nur nichtproportionale Schriften, also solche mit Zeichen gleicher Breite wie die bekannte “Courier”, sondern die ganze Bandbreite an kleinen, großen, dicken, dünnen, serifenlosen und serifierten proportionalen oder nichtproportionalen Schriftarten. Die Ergebnisse werden komplexer, organischer, mehrdimensionaler.

Typen-Spiel

Netz-Wettbewerbe für die inzwischen als “geeky” geltende ASCII-Art führen aber vor, dass auch im herkömmlichen Satz von Zeichen durchaus künstlerisches Potential liegt.

The Creation of Adam

Abgesehen davon hat eine ganz eigene Szene die ASCII-Art als Markenzeichen entdeckt und bis heute als Hommage an die gute alte Zeit beibehalten: Die Warez-Szene hat ihren Software-Schwarzkopien seit jeher gerne Dateien mit Installationsanweisungen, Seriennummern u.ä. beigeben. Diese sogenannten NFOs, abgeleitet von der für Info stehenden Dateiendung .nfo, schmück(t)en sie zumeist mit ASCII-Art. Kommt hierbei erweiterter ASCII-Code zum Einsatz, helfen NFO-Viewer beim Anschauen der im normalen Texteditor recht seltsam anmutenden Zeichen-Zusammenballungen und interpretieren den Zeichensalat. Heraus kommen Darstellungen in verschiedenen Graustufen je Zeichen, zu einem späteren Zeitpunkt sind dann auch Farben im Spiel.

NFO von C.R.U.D.E.

Und für die Fanboys unter uns hat die niederländische Seite Blinkenlights.nl ein Kommandozeilen-Programm per Telnet — ursprünglich ein 8-Bit-Kanal zur Übertragung von 7-Bit-ASCII-Daten — zur Verfügung gestellt, welches mit “telnet towel.blinkenlights.nl” aufrufbar ist. Was folgt ist episch: StarWars IV in ASCIImation!

Star Wars (20th Century Text)

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2 Kommentare zu “Zeichen-Kunst”

  1. Für alle die nicht, wie die Autorin, auf strikter Apfeldiät sind sondern dem (noch?) Marktführer Microsoft zuneigen:
    Seit Windows Vista gehört der Telnetclient nicht mehr zur Standardausstattung von Windows und muss extra aktiviert werden. Wie kann man hier nachlesen:

    http://www.schieb.de/570191/telnet-fuer-windows-vista-nachruesten
    http://support.microsoft.com/kb/978779/de

    Oder man spart sich die Arbeit und lädt die 444 kb große Putty.exe herunter.
    Und zwar hier:

    http://www.chiark.greenend.org.uk/~sgtatham/putty/download.html

    Das Programm muss nicht installiert werden, greift nicht ins System ein und versteht sich auch auf Secure Shell (SSH) was hin und wieder praktisch sein kann.

    • Ah, vielen Dank für den Hinweis… Es gibt doch tatsächlich Dinge am Mac, die nicht so großes Diskussionspotential für Windows-Nutzer haben — in diesem Falle das (noch) standardmäßig unterstützte Telnetprotokoll, leicht nutzbar im systemeigenen Terminal.

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