Es gibt das Gerücht, Verschwörungstheorien seien Herrschaftsfeindlich. Hingegen werden moderne Mythen im Herrschaftsdiskurs ganz allgemein eingesetzt, um bereits erreichte Macht zu stabilisieren. Jüngstes Kabinettstück: Gauck. Alle und insbesondere das Internet, wer ist das eigentlich, würden Gauck falsch zitieren. Dabei sei es so einfach, die Originalzitate im Internet zu finden. Wer hier einen Widerspruch vemutet, der liest zu aufmerksam.

Gauck darf künftig für sich in Anspruch nehmen, aus dem Zusammenhang gerissen worden zu sein.

Interessant ist nun, dass diejenigen die meinen, Gauck so verteidigen zu müssen, auf vernünftiges Argumentieren weitgehend verzichten. Oft genügt der Hinweis auf den Status des Bundespräsidenten, um den Gesprächspartnern den Mund zu verbieten (so Söder). Gut, Gauck ist noch nicht gewählt und öffentliche politische Diskurse fürchten eben nur die Machtbesessenen, den Demokraten sind sie willkommen. Ist doch die Demokratie nicht die Herrschaft der Rechthabenden, sondern derjenigen, die rechtschaffend das Richtige aushandeln.

Wenn Gauck also meint: “Eine besondere Bedrohung stellt das Internet [...] für den Artikel 5 des Grundgesetzes dar, die Meinungs- und Pressefreiheit“, dann erweist sich der selbsternannte Demokratielehrer als echtes Kind Ostdeutschlands. Der faktenvermittelnde Frontalunterricht stärkte nicht die Entscheidungskompetenz und Begründungsfähigkeit, sondern war hierachisch gedacht. Ganz so möchte Gauck seine Demokratieunterweisung ex cathedra verkünden.

P.S.: Und jetzt noch neun Tage, dann …

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