Generators

Wer seine Zeit verstehen und sich der Zukunft nicht wehrlos ausliefern will, muss wissen, woher er kommt, und woher die anderen kommen. Geschichte liegt nicht tot und abgestorben hinter uns, sondern es gab ein Leben vor uns.

– Peter Arens –

Wenn ein Ankündigungstext für eine Fernsehsendung sich solcher Plattitüden bedient, kann es sich nur um eine ZDF-Produktion handeln. In diesem Fall lohnt sich trotzdem ein Blick auf die Sache. “Terra X”, die beworbene Dokumentationsserie, startete in den 80er Jahren die steuergeldlich bezahlte Mystifizierung typischer archäologischer Kracherthemen, also Fluch des Pharao, Indio-Gold etc. und begründete den Abschied der Öffentlich-Rechtlichen von ernstzunehmenden Archäologie- und Geschichtssendungen, falls es die je im deutschen Fernsehen gab.

Später hatten findige Redakteure die Idee, alle Peinlichkeiten, die man von Mittelaltermärkten und zu billig produzierten Historienschinken kennt, auf die Fernsehschirme zu bringen, um “die Menschen” für Geschichte zu begeistern. So kam Reenactment von den Schlachtfeldern der Konföderierten in die deutschen Wohnzimmer. Seitdem sieht man im Vorabendprogramm des ZDF – und in Zweitverwertung auf diversen Dritten, leider auch auf arte – Kleopatra sich Schlangen an den Busen setzen und Luther Thesen an Türen nageln.

Im Oktober wird in der Geschichte des Histotainment ein weiteres Kapitel aufgeschlagen: Für eine neue Staffel “Terra X” nimmt sich Hape Kerkeling der Weltgeschichte an. Und wer seinen Auftritt als Königin Beatrix nicht vergessen hat, der wird wohl kaum bezweifeln, daß niemand passenderer für königliche Kostümierungen hätte gefunden werden können. Den Beweis liefert sein Aufzug als Katharina die Große, vermutlich vom ästhetischen Standpunkt aus treffender als die Darstellung von Catherine Zeta-Jones, denn gerüchteweise entsprach Katharinas Attraktivitätsgrad eher dem eines Grevenbroicher Lokaljournalisten als dem der “Verlockenden Falle”.

Was aber ist nur von der zu erwartenden klamaukartigen Geschichtsdarstellung zu halten? Vor der Ausstrahlung fällt das schwer zu sagen; man sollte wohl erstmal auf Kerkeling vertrauen. Bis zum Gegenbeweis erhoffe ich mir von ihm den lange fälligen Racheakt eines wahrhaft talentierten Komödianten an den Machern des ZDF-Historienspektrums für die Lächerlichmachung guter filmischer Inszenierung durch die geschichtstümelnde Klamottenschau des Reenactment. Und das wiederum ist ja ein kollegialer Akt aus Sicht aller auf Rache sinnenden Historiker und Archäologen.

 

Kerkeling als Katharina

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Imitation ist die ehrlichste Form des Plagiats.

– ALF (1988) –

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JFK hatte es einfach, 1962: “Ich bin ein Berliner,” und schon war sein Platz in der deutschen Geschichte gefunden. Für die Berliner hingegen wird es manchmal schwer, sich in der eigenen Stadt zu verorten, besonders wenn es amtlich wird. In meinem Fall sieht das so aus:

  • Mein Ausweis wurde vom Bezirksamt Pankow von Berlin ausgestellt.
  •  Meine Steuern entrichte ich an das Finanzamt Prenzlauer Berg.
  • Bei der Wahl zur Bezirksverordnetenversammlung bin ich im Wahlkreis Pankow Süd / Heinersdorf gemeldet.
  • Mit Blick auf die Wahl zum Abgeordnetenhaus wiederum wohne ich im Wahlkreis Prenzlauer Berg Nord / Weißensee Süd.

Wer soll da schon noch wissen, wo er hingehört. Zum Glück hat die Hauptstadt ja ein Exzellenzcluster, das sich mit der Transformation von Raum, Wissen und Raumwissen beschäftigt. Ich jedenfalls, weiß nicht mehr wo´s langgeht. In diesem Sinne: Der kleine Generator möchte von seiner Mutti vor dem Ernst-Thälmann-Denkmal an der Greifswalder Straße abgeholt werden.

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