Der Reiz des Mitfahrens

In den Zeiten der – für den Spontan-Reisenden – teuren und oftmals zeitschindenden Zugverbindungen wächst seit Jahren ein kleines Pflänzchen zu einem beachtlichen, weit verzweigten und Früchte tragenden Gewächs heran – die Mitfahrgelegenheit.

Was früher einmal „Öko“ war und bunt bekleideten, komisches Kraut rauchenden, Schilder mit gekritzelten Wunschzielen wedelnden Jungs und Mädels an Autobahnauffahrten vorbehalten war, ist heute ein weit verbreitetes Phänomen geworden. Waren früher bunt angemalte Autos – gerne der VW-Bulli – die begehrten Anhalter-Autos, so fährt heute eine Markenvielfalt mit offenen Türen quer durch Deutschland und Europa. Einziger Unterschied: Es wird anteilig der Sprit bezahlt – heutzutage ein echter Anreiz zum Mitfahren lassen für Vielfahrer und Republik-Pendler – und einen Platz ergattert der Mitfahrer auf Vorbestellung.

Dies wird möglich dank der Internetplattformen, auf denen die Vermittlung zwischen Fahrer, Streckenabschnitt und potentiellem Mitfahrer erleichtert wird, auch die Planung von mehreren Fahrten mit unterschiedlichen Fahrern durch Europa wird so möglich, falls denn Wetter, Staus und persönliche Pannen einem nicht einen Strich durch die Rechnung machen.

So bin ich einmal gen Osttirol per Mitfahrgelegenheit unterwegs gewesen, mit einer Fahrt von Dresden bis Rosenheim und einem „Anschlusstransfer“ nach Osttirol. Die ursprünglich 3 Stunden Aufenthalt in Rosenheim schnurrten dank Stau übelkeitserregend schnell zusammen, schließlich blieb allerdings doch noch eine halbe Stunde im Regen zum Verschnaufen übrig. Die folgende Fahrt mit Urlaubsgepäck für 2 Personen und 2 Wochen in Kroatien, einem Mitfahrer bis nach Trento, einem weiteren Mitfahrer bis Trieste und eben meiner Wenigkeit mit großer Krakse werde ich nicht vergessen – ich hätte nie gedacht, dass all dies in eine A-Klasse passt! So war das Herausfalten von 5 Leuten an meinem Zielort eine wirklich befreiende Tat – auch wenn die Fahrtzeit durch die gute Unterhaltung richtig schnell verflog…

Für den Mitfahrer springt bei diesem System natürlich eine oft spontane sowie im Vergleich zur Bahn eine kosten- und zeitgünstigere Reisemöglichkeit heraus – manchmal sogar ein Bringdienst bis fast vor die eigene Haustür. Dem Fahrer kommt natürlich ein guter Teil Spritgeld gut gelegen. Und meistens – zumindest meiner Erfahrung nach – ist die Fahrt für alle beteiligten auch kurzweilig, man lernt interessante Leute mit verschiedensten Hintergründen kennen und trifft sich manchmal – auch rein zufällig – auf diesen Strecken wieder, wobei ich zumindest auf den Autotyp A-Klasse gerne verzichten würde: Die besten Erinnerungen hat man schließlich immer noch an einmalige Gelegenheiten…

Meine Empfehlung an alle Spontan-Reisenden und Bahnüberdrüssigen: Versucht es einfach einmal mit der Mitfahrgelegenheit, ich habe bisher noch keine wirklich schlechten Erfahrungen gemacht.

Eine Antwort auf „Der Reiz des Mitfahrens“

  1. Ich erinnere mich an Klagen, ob der „Feuchtgebiete“, deren Hörspielfassung von einer BMW fahrenden Ärztin als seelische Folter eingesetzt wurde.

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