Feministische Filme (2): The Hallelujah Trail

„Vierzig Wagen westwärts“ — so der deutsche Titel dieses Western — hat möglicherweise eine ganz eigene Filmkategorie begründet, denn der Streifen von 1965 ist definitiv ein Emanzen-Western!

Meine Damen! Unser Feind hat zwei Köpfe. Der erste ist die Versklavung der Frauen durch die Männer. Der zweite ist die Versklavung der Männer durch den unbarmherzigen Tyrannen Alkohol!

— Cora Templeton Massingale —

Hallelujah Trail

Die sich angegriffen fühlende Männlichkeit stapft unter anderem in Form von Burt Lancaster als Colonel Thaddeus Gearhart von Fort Russel durch den Wilden Westen, verteilt böse Blicke und natürlich sein Markenzeichen „The Grin„. Auch gute Republikaner, irische Fuhrleute, rauhe Bergleute und durstige Indianer haben hier noch etwas zu sagen, doch das letzte Wort sprechen zumeist die emanzipierten Damen der Anti-Alkohol-Bewegung unter Führung der Abstinenzlerin Cora Templeton Massingale, wunderbar gespielt von Lee Remick, sowie des Colonels eigener Tochter Louise, verkörpert von Pamela Tiffin.

Denn die Bergarbeiterstadt Denver sitzt bald auf dem Trockenen. Im Winter. Durch hohe Pässe abgeschnitten von jeglicher Nachfuhr am Grundnahrungsmittel für Männer: Whiskey. Also machen sich 40 Wagen auf in den Westen, um noch vor dem Winter — der so kalt und schneereich werden soll wie nie zuvor — genügend Alkohol in die Stadt zu schaffen. Das „verrückte Wasser“ weckt allerdings so manche Begehrlichkeiten, so dass die geplagte US-Kavallerie schließlich alle Hände voll zu tun hat, sinnloses Vergießen von Blut und Alkohol zu verhindern… Wie heißt es so schön:

Dienst ist Dienst und Bärenfell ist Bärenfell!

— Colonel Thaddeus Gearhart —

Auch wenn ein Kritiker wohl meinte, dieser Film sei am besten „leicht angetrunken“ zu genießen, ist dies meines Erachtens keine Grundvoraussetzung, wenn auch zum Thema passend. Die schauspielerische Leistung der Darsteller (besonders von den ewig streitenden Lancaster und Remick), die bissigen Witze und die Überreizung von Stereotypen, aber auch die ungewöhnlichen und (meist) unvorhersehbaren Wendungen des Plots garantieren viel Filmspaß. Zudem sind — im Gegensatz zu vielen Filmen, die ich kenne — sowohl die englische als auch die deutsche Fassung des Streifens gleich gut genießbar. Dies wird u.a. auch bei der, wie ich finde, großartig passenden Filmmusik deutlich. Das Titellied ist dabei nicht nur einfach so ins Deutsche übersetzt worden, sondern derart sorgfältig und vor allem treffend, dass Synchronisierungsversuche der heutigen Filmindustrie — wenn das Budget sie denn erlaubt — doch eher stümperhaft wirken.

Der Mensch zerfällt in Staub und Asche, doch ewig lebt der Geist der Flasche — Halleluja Prost!

— aus dem Titellied —

Übrigens ist die im Laden erhältliche DVD-Fassung auch technikgeschichtlich interessant, wird doch zu Beginn und etwa in der Mitte des Streifens lediglich zu schwarzem Bild die Tonspur ein- bzw. weitergespielt. Dies ist ein Überbleibsel der verwendeten Filmtechnik, denn „Vierzig Wagen westwärts“ ist einer der wenigen in Ultra Panavision 70 gedrehten Filme, einem extremen Breitbild-Format mit einem Verhältnis von 2,76:1, welches das normale menschliche Sichtfeld imitieren sollte. Unter Einsatz spezieller Projektionstechnik konnte dieses Format übrigens auch auf den technisch ebenfalls sehr interessanten, stark gebogenen Cinerama-Kinoleinwänden gezeigt werden, so auch dieser Streifen. Der Ton war hierbei unabhängig von der Filmrolle. Ein gesondertes Magnetband lieferte sechs Tonspuren, die auf mehrere im Saal verteilte Lautsprecher gelegt wurden. Da eine Filmrolle nur etwa die Hälfte des Filmmaterials umfassen konnte, kamen im Verlauf des Filmes zwei Rollen zum Einsatz, die in den Projektor eingelegt werden mussen. Da der Ton währenddessen schon bzw. immer noch läuft, erklärt dies schließlich auch die verwirrenden schwarzen Stellen auf der DVD…