Trägheitseffekte einer globalisierten Akkulturation

Während Michael Haneke das Remake seines Film „Funny Games“ Lippensynchron von amerikanischen Schauspielern nachdrehte, ist mit dem kulturellen Swing zur transatlantischen Verfilmung „Verblendung“ viel Material für kulturwissenschaftliche Qualifikationsschriften gelegt.

Unter dem „deutschen Titel“ „The girl with the dragon tattoo“ bei uns im Kino wurde die ältere skandinavische Verfilmung „Verblendung“ nur kurz nach dem Start ihres DVD-Vertriebs abgelöst. Offensichtlich brauchen Amerikaner für das Remake eines skandinavischen Films vor allem den skandinavischen Akzent im Englischen. Viel mehr Gründe kann es für die Neuverfilmung nicht gegeben haben, denn bis auf die Musik und das kurze Einblenden eines NIN-T-Shirts ist nichts besser geworden, im Gegenteil. Während der Mord des Mörders in seiner europäischen Lesart einen Tabubruch darstellt, geht es in der amerikanisch-englischen Variante nur noch um tiefes Einverständnis: Schließlich trifft es den Richtigen. Der Konflikt zwischen Recht und Gerechtigkeit löst sich in der Figur der gerechten Weltmacht, des gerechten Herrschers, auf. Na dann bis neulich in Abbottabad.

Eine Antwort auf „Trägheitseffekte einer globalisierten Akkulturation“

  1. Na das lässt ja für die anstehende Neuverfilmung des mehr als genialen „Ziemlich beste Freunde“ wenig gutes erwarten.

Kommentare sind geschlossen.