Rechthaberinnen und Rechthaber!

Selten wurde über einen Strafrechtsprozess soviel Meinung als Tatsache ausgegeben, wie im Fall Kachelmann. Nein, wirklich nein, die öffentliche Meinung hat ebenso wenig wie die veröffentlichte etwas mit dem Tatgeschehen zu tun.

Ein Gerichtsprozess hat eben nur ganz begrenzte Möglichkeiten unser  Miteinander zu regeln. Hierzu gehört, auf der Grundlage der Beweisaufnahme einen Tathergang zu rekonstruieren. Wenn dies nicht gelingt, bzw. wenn die richterliche Würdigung zu dem Schluss kommt, dass weder be- noch entlastendes Material die Tat nachweisbar ausschließt oder bestätigt, dann muss mangels Beweisen der Angeklagte freigesprochen werden. Das Verfahren offenbart, was im Verfahren offenbar werden kann. Nicht mehr und nicht weniger. Hierzu gehören psychologische Einschätzungen des mutmaßlichen Opfers ebenso wie eine psychologische Einschätzung des Beschuldigten. Schließlich gilt — unter Vorbehalt weiterer Instanzen — der Spruch des Gerichts. Es ist traurig aber wahr: Die Wahrheit der Tat ist nur selten das Ergebnis eines Gerichtsprozesses.

Zwar hätte der Täter, also in diesem Fall der Beschuldigte oder eben die gegebenenfalls falsch Beschuldigende, im Prozess die Chance die Sache aufzuklären, aber leider ist dies, wenn die Beweise keine Rekonstruktion des Tathergangs erlauben, eben nur eine moralische Chance, die zugleich als erster Akt einer Resozialisierung verstanden werden kann. Hierzu ist es nicht gekommen.

Dennoch ist etwas geschehen. Entweder gab es eine Vergewaltigung oder der Beschuldigte ist falsch beschuldigt worden. Wenn Kachelmann anstrebt diese Frage gerichtlich zu klären, würde er eine für Täter und Opfer schmerzhafte Gerichtsverhandlung neu aufleben lassen. Vielleicht könnte er auch sein wohl doch recht gewaltvolles und mit arger List und Täuschung gegen Frauen gerichtetes Leben neu ordnen, geheiratet hat er während der Gerichtsverhandlung ja schon, und davon Abstand nehmen.

Beklagt worden ist in den Medien vor allem eine vermeintliche Vorverurteilung des Beschuldigten. Also Journalisten haben beklagt, dass Journalisten Kachelmann vorverurteilt haben. Halt, nein, das soll ja das Gericht gewesen sein. Aber das Gericht hat erst gestern sein Urteil gesprochen. Nun, die Medien haben Kachelmann zunächst gut beleumundet und dann schlecht. Erst hat er gut am guten Ruf verdient und ein paar Monate wird er gut am schlechten Ruf verdienen. Sein Haus wird er abbezahlt haben. Alles kein Grund zu klagen. Na, dann können wir uns ja wieder ernsten Themen zuwenden.

Wetterfrosch

4 Antworten auf „Rechthaberinnen und Rechthaber!“

  1. Auch lawblog geht davon aus, dass es keine Vorverurteilung durch das Gericht gegeben hat: „Die Spannung, die über dem Urteilsspruch heute lag, belegt auch einen weiteren Fehler der Mannheimer Richter. Sie haben sich während des gesamten Verfahrens nicht in die Karten schauen lassen. Kein Piep dazu, wie das Gericht die Sach- und Rechtslage momentan würdigt.“ Vetter würdigt die Sache aber anders.

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