Ja, Meica macht das Würstchen!

Spieltheoretisch sind die Sondierungsverhandlungen spannend. Dort wird ja nicht nur geschaut, ob sich ein gemeinsames Regierungsprogramm für Jamaika finden lässt, sondern vielmehr wird zugleich versucht den künftigen Mitbewerber im politischen Spiel zu schädigen. Gelingt es z.B. der CSU den Grünen abzuringen, eine Flüchtlingsobergrenze zu akzeptieren, dann haben diese sich derart weit von ihrer Klientel entfernt, dass sie künftig nur noch auf magere 6,2 Prozent Wählerstimmen hoffen dürfen, also soviel wie die CSU derzeit bekommt. Das dabei auch noch der Rechtsstaat in Frage gestellt wird, zumindest dann, wenn das Asylrecht bestehen bleiben soll, mag den bayerischen Patriarchen nicht stören, mich aber schon. In den Startlöchern für morgen Abend stehen jedenfalls die besten Sprinter der Parteien, denn wer zuerst das Scheitern der Verhandlungen erklärt, darf sich Hoffnungen machen, beim Wähler am besten aus der Sache wieder rauszukommen.

Fürchtet Euch nicht,

denn Ihr habt nur eine Stimme,* eine Stimme im Wert von ungefähr einem 60-Millionstel, dafür wiegen auch alle Stimmen gleich.

Und dann ist da dieses geheim. Also Ihr könnt Eure Entscheidung durchaus für Euch behalten. 

Manch einer mag denken, er wählt den neuen König, aber es ist viel besser: Ihr wählt ein Parlament. Parlamente setzen sich in aller Regel aus verschiedenen Parteien zusammen. Also auch hier gilt, Eure Stimme fließt einem Teil zu.

Und wem Mengenlehre schon immer zu kompliziert war, die/der gibt seine Stimme dem Direktkandidaten* mit dem sie/er gerne gemeinsam auf dem Spielplatz sitzen würde, während Eure Kinder ihr Spielzeug miteinander teilen, oder einfach dem, der Euch gut in Berlin vertritt.

Ihr seid unzufrieden, Ihr seid wütend, gut, aber bedenkt, es kann auch schlechter kommen.

Also fasst Euch ein Herz und wählt eine Partei,* die nicht nur laut, sondern auch gut für Euch ist! 

You can't buy back your life

*Für Langsamchecker: Eine Stimme für’ne Partei und eine Stimme für’n Direktkandidaten.

Wählst’e schon oder denkst’e noch

Die Wahlunterlagen sind eingetroffen. Damit wird es Zeit sich zu entscheiden, wählt man/fra(u) die Partei mit dem fairen Lohn oder die mit der Tarifautonomie, sagt man/fra(u) ja zur Partei mit dem schicksten Covergirl oder zu der mit dem besten Wahlslogan?

Wenn die NPD und wenn die Grünen für bezahlbaren Wohnraum plakatieren, dann fällt auf, ein paar Informationen mehr könnten nicht schaden, z.B. wie dies Ziel erreicht werden sollte, Eroberung von Wohnraum im Osten oder Mietsteigerungsdeckelung. Warum nur stehen solche Details nicht auf Plakaten?

Eine Partei verzichtet gleich ganz auf jede Andeutung von Inhalt. Dies schützt vor Wahlbetrug, vielleicht aber auch vor Wahloption.

Auch negative Kriterien könnten eine Wahl motivieren. Man/fra(u) könnten sich gegen die Partei entscheiden, die die meisten Abwesenheitsstunden im letzten Parlament aufweist.

Oder man versucht doch noch einmal politische Entscheidungen nachzuvollziehen. Dabei kann auch Technik helfen. Die hier haben die tatsächlichen Entscheidungen im Parlament erfasst und bieten den Vergleich zur eigenen Position. Damit sind sie der realen Politik um einiges näher gekommen als der Wahlomat.

Da man/fra(u) sich für eine Partei entscheiden muss, kann als Überbau auch Die Partei gewählt werden. Sie hat Politik auf jeden Fall am prägnantesten auf den Punkt gebracht: 

Schlimmer!

Auch wenn Merkel über den September hinaus Kanzlerin bleibt, können bei persönlichem Wunsch Akzente gesetzt und potentielle Koalitionspartner gewählt werden. Oder die Wahl fällt auf die künftige Opposition, ob nun die im Parlament oder die draußen. Nur blau machen, gilt nicht.