Sep 222013

Heute haben wir also noch einmal — vielleicht ein letztes mal — die Chance demokratisch zu wählen. Mit seiner Stimme kann man also den vor allem von der CDU eingeschlagenen Weg zum totalitären Überwachungsstaat ganz demokratisch bestätigen, sieht man mal von der Feinheit des Verfassungsbruchs ab.

Wer interessiert sich denn noch für solche Feinheiten, wenn man so dufte im Persönlichen herumwühlen kann. Weder sind die Grünen in den letzten Jahren durch Forderungen sexuelle Beziehungen zwischen Erwachsenen und Kindern straffrei zu stellen, aufgefallen, noch hatte im aktuellen Wahlkampf auch nur der Hauch einer solchen Forderung Relevanz. Die Grünen sind sozusagen erwachsen geworden und haben sich in aller Form für ihr Kinder-AA entschuldigt. Gewaltfreiheit kann sich nicht allein auf physische Gewalt beziehen, so die Lehre für Grüne, Katholiken oder Reformpädagogen. Aber man kann natürlich immer weiter nach einer angeblich noch ausstehenden Entschuldigung rufen, wie die CDU-Muttis. Wer merkt denn schon die Verlogenheit der Moral im Lagerwahlkampf. Die Vergewaltigungslegitimierung gegen Ehepartner durch Abgeordnete der CDU harrt noch der Entschuldigung, oder hab ich da was überhört (Bitte im Kommentar korrigieren!). Hier wurde im politischen Wettbewerb ganz schön rumgeholzt und Frau Merkel hat von alledem nichts gewusst (Ironie). Anständig sollen sich eben immer die Anderen verhalten.

Da nimmt sich die mediale Schlammschlacht über Pinot Grigio beinahe harmlos aus, wobei der Schaden für den Spitzenkandidaten erheblicher war. Trinken doch Arbeiter lieber Bier, weswegen Schröders „Bring mir mal ein Bier, sonst streik ich hier“ als Wahlleiterzählung auf den Punkt gebracht war. Steinbrück hatte es lieber auf dem falschen Bein. Zwar verbuchen CDU/CSU und FDP-Abgeordnete deutlich mehr als die Abgeordneten der SPD, Grünen oder Linken Nebeneinnahmen aber nur für Steinbrück war es ein Problem, schließlich sind es seine potentiellen Wähler deren Neidreflex angesprochen wurde. Während Schröders Leiterzählung im Wahlkampf, die des radikalen Aufsteigers war, der es schaffen will, setzte Steinbrück auf das bessere Sachargument.

Junge, Junge, das musste schief gehen. Der Vorwurf des politischen Konkurrenten der Besserwisserei lag doch schon in der Schublade. Wer wägt denn bitte Argumente gegen einander, noch dazu bei so komplizierten Themen wie der Finanzpolitik zumal Merkel für den status quo der momentan, d.h. bis Weihnachten, passablen Lage steht. Wer in einer Wahl gegen Buddha, nicht Mutta, Merkel gewinnen will, der hätte klar sagen müssen: Keine Koalition mit CSU und CDU. Anzutreten mit dem Programm der bessere Teil in einer großen Koalition zu sein, ist schon recht mutig. Wie soll man denn vermitteln, dass es einen Grund gibt, die alten CDU/CSU-Granden abzuwählen. Wo soll denn die Wechselstimmung herkommen, also die „linken“ CDU-Wähler holt ganz sicher Frau Merkel?

Die Wahrheit ist, wer mit einem Slogan antritt „Das Wir entscheidet“, der hat vergessen, was heißt ein Bürger zu sein, sein zu dürfen. Und hierin ist sich Steinbrück und Merkel ähnlich. Letztere macht nämlich angeblich Politik für die Menschen. NEIN! Wir sind Bürger und ihr unsere Angestellten. Wir wollen Euch kontrollieren. Der letzte große ‚Demokrat‘, der wie Merkel sprach, war Wilhelm II.: Ich kenne keine Partei mehr, ich kenne nur Deutsche!

Es bleibt zu hoffen, das sich nach der Wahl eine Partei formiert, die sich wieder erinnert, was es heißt in einer Demokratie zu leben und Bürgerrechte und -pflichten als Tugend begreift. Es geht nicht um Umverteilung, sondern darum, einen sozialen und politischen Ausgleich in wechselseitiger Zusicherung größtmöglicher Freiheit zu sichern. Dafür sollten wir eine Regierung wählen! Also mehr Demokratie wagen, solange es noch geht!

Jul 152013

OK, ich gelobe Besserung!

Das wird mein letzter „Friedrich-Artikel“ für die nächste Zeit. Der Mann gibt aber auch ein so schönes Opfer ab. So schwere Fälle von kognitiver Dissonanz sieht man eben selten in der Öffentlichkeit.

Zum Thema:

Sie, Herr Innenminister Friedrich, haben sich also beim Spiegel Online beschwert es sei unfair, jetzt auf den Amerikanern herum zu hacken (pun intended), ohne genauere Fakten zu kennen.
Wissen Sie was? *Fanfare* Sie haben Recht! Es ist unfair — als Deutsche — auf den Amerikanern herum zu hacken, ohne genau zu wissen, welche Rolle der BND in der ganzen Sache spielt.
Wenn Sie also dann in die USA fliegen, um „unter Freunden mal Tacheles zu reden“, erklärt Ihnen der prismatische charismatische Präsident Obama eventuell auch das.

Danach können Sie es ja uns, Ihrem untertänigsten Wahlvolk, erklären, damit wir nicht mehr unfair und ziellos, sondern ganz gezielt auf die Amerikaner und den BND schimpfen können.
Wahrscheinlich wird Ihnen aber niemand auch nur irgendetwas Sinn- oder Wertvolles sagen und Sie werden in der Gewissheit hierher zurückkehren, dass man zum Tacheles Reden unter Freunden eben auch Freunde haben muss.

Dann erklären Sie uns eben das. Es sei denn, die kognitive Dissonanz (s. o.) ist wieder schneller.

In diesem Sinne:
Guten Flug

… eine Farce in zu vielen Akten.

So so,

Herr Innenminister Friedrich, dem Spiegel haben Sie also erzählt:

Jetzt sage ich Ihnen mal was: Noch bevor man überhaupt weiß, was die Amerikaner da genau machen, regen sich alle auf, beschimpfen die Amerikaner. Und diese Mischung aus Anti-Amerikanismus und Naivität geht mir gewaltig auf den Senkel.

Gut zu wissen.

Da wir gerade bei Naivität sind:
Wenn Sie als Innenminister des am stärksten betroffenen europäischen Staates (gleich auf mit Saudi-Arabien oder dem Irak) den Ernst der Lage immer noch nicht erkannt haben, dann sollten Sie sich eventuell um einen anderen Job bemühen. Einen, der Ihrer Auffassungsgabe angemessen ist.
Aus erster Hand weiß ich, das Kolb noch Brezenverkäufer für die Nürnberger Innenstadt sucht. Dann hätten Sie’s auch nicht so weit bis nach Hause.

PS.: Ich hoffe, Sie lauschen diesen Worten genau so andächtig wie die NSA.

Ich weiß nur, dass unsere Männer und Frauen, die beim Verfassungsschutz arbeiten, die beim BKA arbeiten, wirklich eine phantastische Arbeit machen.

— Friedrich (Innenminister der Bundesrepublik bei Günther Jauch 0:45:46 ff.) —

 

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